Heian-Jingu-Schrein in Kyoto

Der Heian-Jingu-Schrein in Kyoto ist definitiv ein Unikat, schwer zu übersehen an seinen knallroten, monumentalen Gebäuden. Je nach Anreiseweg könnte man aber tatsächlich das riesige Torii-Schreintor anfangs übersehen und erst beim Verlassen bemerken. Neben dem für Schreine üblichen, kostenlos zugänglichen Bereichen wartet der Heian-Schrein mit einen Schreingarten auf, der in seinen Ausmaßen beachtlich ist und der größte aller Schreingärten sein könnte. Und selbst jetzt sind noch nicht alle Besonderheiten erwähnt, denn der Schrein sieht an vielen Stellen nicht gerade wie ein typischer japanischer Schrein aus.

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Das große Otemon-Tor des Schreins
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Heian-Schrein

Allgemein

Aufgrund seiner Größe könnte man den Heian-Schrein wie andere vergleichbar große Schreine in Kyoto für einen Schrein mit sehr langer Geschichte halten. Doch weit gefehlt, denn für Kyotoer Verhältnisse ist der Heian-Schrein sehr jung. Er wurde für die vierte nationale Industrieausstellung im Jahr 1895 errichet — der Zeitpunkt ist kein Zufall, denn 1100 Jahre früher zog der Kaiserhof in das damals Heiankyo genannte Kyoto um, woraufhin die als Heian-Zeit bekannte kulturelle Blütezeit ihren Anfang nahm. Teilweise wurde der Schrein daher als Rekonstruktion des Kaiserpalasts aus dieser Zeit nachgebaut. Zu jener Zeit waren chinesische Einflüsse noch sehr stark, was man der Gebäudearchitektur entsprechend ansieht. Eingeschreint ist jeweils der erste und letzte Tenno der Heian-Zeit, Kanmu-Tenno und Komei-Tenno.

Der Großteil des Schreins wurde 1976 in einem Feuer zerstört und drei Jahre später wieder aufgebaut. Er wirkt daher auch heute noch recht frisch, vor allem was die markante rote Farbe angeht.

Der Heian-Schrein ist auch der ausführende Veranstalter des jährlich am 22. Oktobers stattfindenden Festival der Zeitalter (Jidai-Matsuri), eines großen Umzugs in historischen Gewändern vom Kaiserpalast Gosho zum Heian-Schrein.

Im nordwestlichen Eck des Blocks steht übrigens das älteste Dojo Kyotos, das Butokuden. Hier wird u.a. Kendo, Iaido und in einer Außenanlage Kyudo trainiert und ist der Veranstaltungsort des prestigeträchtigen Enbu-Taikai-Turniers. Die Budo-Geschäfte Masaharu und Tozando sind von dort dann auch nur noch einen Steinwurf entfernt.

Rundgang

Eingang und Innenhof

Wenn man den Heian-Schrein von Süden her ansteuert — was durchaus Sinn macht, wenn man zuvor den nicht weit entfernten Shorenin-Tempel besucht hat — dann ist der erste, nicht ganz so subtile Hinweis auf den Schrein das gewaltige (Dai-)Torii-Schreintor, welches mit ganzen 24.4 Metern Höhe zu den größten Torii Japans gehört. Der Weg führt dann schnurstracks zum großen Eingangstor, von dem man zunächst vermuten könnte, es handelt sich um ein für Schreine typisches Romon-Tor. Tatsächlich handelt es sich aber um den Nachbau des Otemon-Tors, dem Eingangstor zum Innenhof des Heiankyo-Palasts.

Hinter dem Otemon-Tor breitet sich dann ein sehr weitläufiger Innenhof aus, der komplett von ebenfalls knallroten Gebäuden umschlossen ist. Im Norden befindet sich der Nachbau der kaiserlichen Ratshalle daigokuden, die zugleich das Schrein-Hauptheiligtum ist. Im Westen steht der Turm des weißen Tigers byakkorō und die Gakuden-Halle. Im Osten steht der Turm des blauen Drachens sōryō und die Maidono-Tanzhalle, hier als Kaguraden bezeichnet.

Schreingarten Shin’en

Wer den Heian-Schrein besucht, darf den dazugehörigen Schreingarten nicht auslassen, einfache Faustregel. Mit 33.000qm besitzt der Schrein einen beachtlichen Garten, der allerdings auch Eintritt kostet. Der Eingang zum weitläufigen Schreingarten befindet sich zentral an der Westseite, auf der rechten Seite des Byakkoro-Turm. Der Garten wurde im Verlauf von zwei Jahrzehnten von Ogawa Jihei (1860–1933) gestaltet und es warten vier leicht zu unterscheidende Bereiche auf den Besucher. Jeder Bereich beherbergt unterschiedliche Flora, es lohnt sich daher auf jeden Fall, den Garten mehrmals zu den jeweiligen Blütezeiten zu besuchen.

Südgarten — Im ersten Bereich stehen zahlreiche Kirschbäume mit weit herunterhängenden Ästen, die von der Stadt Sendai gespendet wurden. Dabei handelt es sich um eine Unterart der ①Shidarezakura-Kirschbäume mit herunterhängenden Ästen, den ②Yaebenishidare. Für Kirschbäume typisch, fangen diese in Kyoto Ende März an zu blühen. Für Eisenbahnliebhaber steht hier auch ein Waggon des ersten in Japan in Betrieb genommenen Elektrozugs aus dem Jahr 1895, der die Besucher zur oben genannten vierten Industrieausstellung gebracht hat. Ansonsten gibt es hier noch etliche weitere Pflanzen zu entdecken, u.a. Azaleen, die ab Ende April blühen. 「①枝垂れ桜 ②八重紅枝垂」

Westgarten — Im folgenden Garten trifft man auf den ersten Teich, “Teich des weißen Tigers” ①byakkochi genannt. Um den Teich herum befinden sich etwa 200 unterschiedliche Arten von japanischen Schwertlilien, insgesamt etwa ganze 2000 Stück. Im Teich selber befinden sich noch etliche Seerosen. Beide blühen im Juni. Last but not least steht hier auch eine Teehütte mit den Namen ②chōshintei. 「①白虎池 ②澄心亭」

Zentralgarten — Hier befindet sich ein weiterer Teich, dieses Mal “Teich des blauen Drachens” ①sōryōchi genannt. Herausragendes Merkmal dieses Teichgartens ist die ②garyūbashi (“liegender Drache”) genannte Brücke — weniger Brücke, mehr Pfad mit Trittsteinen, begehen auf eigene Gefahr. Diese Trittsteine sind die originalen Pfeilersteine der ursprünglichen Sanjo- und Gojo-Brücken aus dem 16. Jahrhundert. Geschichte, über die man leicht unbemerkt hinweglaufen kann. Zusätzlich gibt es hier weiße Wisteria (Blauregen) zu bewundern, die von Ende April bis Anfang Mai blühen. 「①蒼龍池 ②臥龍橋」

Ostgarten — Der letzte Bereich des Garten beherbergt ein weiteres sehr berühmtes Motiv des Schreins. Hier befindet sich der beachtliche ①seihōchi genannten Teich, in dessen Bereich stehen zwei markante Strukturen stehen, die beide im ersten Jahr des Taisho-Ära (1912) im Kaiserpalast Gosho abgebaut und hier in der Gartenanlage wieder aufgebaut wurden: die Taiheikaku-Brücke und die am Westufer stehende ②Shobikan- oder Kihinkan-Halle. Die Shobikan-Halle wurde ursprünglich als Haupthalle für die jährlich stattfindende Kyotoer Messe gebaut, die 1871 ihren Anfang im Nishi-Honganji-Tempel nahm und von 1872 bis 1896 im kaiserlichen Park Gyoen (in dem auch der Gosho steht) stattfand. Ab 1897 zog die Messe in das Okazaki-Viertel um, wo auch der Heian-Schrein steht und seit 1877 die Industrieausstellung stattfindet. Anfangs hatte die Shobikan-Halle Dachziegel, erhielt dann aber im Laufe der Zeit ein traditionelles Dach aus Baumrinden. Um die Halle herum stehen weitere Yaebenishidare-Kirschbäume, die den Anblick zur Kirschblütenzeit ab Mitte März merkbar verschönern.「①栖鳳池 ②尚美館 od. 貴賓舘」

Am Ende des Gartenbesuchs kommt man zwischen den an der Ostseite stehenden Turm des blauen Drachens und der Maidono-Halle wieder zum Innenhof des Schreins.

Eine kleine Vorwarnung: Der Heian-Jingu-Schrein gehört zusammen mit dem Kiyomizudera-Tempel und Kinkakuji-Tempel zu den Sehenswürdigkeiten in Kyoto, die aus irgendwelchen Gründen von der Gruppe asiatischer Touristen sehr stark besucht werden. Persönliche Anekdote: auf Japanisch eine Verkäuferin im Souveniershop angesprochen, war diese sichtlich froh darüber, gegen 15 Uhr das erste Mal Japanisch sprechen zu können seit ihrem Arbeitsbeginn am Morgen.
Interessant ist allerdings, dass sich der Ansturm zumeist nur auf den Innenhof beschränkt — der Schreingarten hingegen wird ignoriert.

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Übersicht

Bewertung

JAKYO
4
von 5

Heian-Jingu-Schrein

»Nachbau eines altertümlichen Palasts und das Unikat unter den japanischen Schreinen: mit knallroter Architektur, Palastgebäuden und weitläufigen Schreingarten.«

Infos & Preise & Öffnungszeiten & Features

Name
Heian-Jingu (Schrein / Jingu)
Standort
Zugang

InnenhofÖffnungszeit
06:00 - 17:30 Uhr
Preis
frei

Schreingarten Shin'enÖffnungszeit
08:00 - 17:00 Uhr
Preis
600 Yen

※ Saisonal können die Öffnungszeiten um eine halbe Stunde abweichen.
※ Sofern nicht anders vermerkt: täglich geöffnet

Zeitaufwand: 
Andrang
Anspruch
Anreise (ÖPNV)
Japanische Bezeichnungen

Gebrauchsname: 平安神宮 | へいあんじんぐう | heian jingū

Galerie

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