Die kaiserlichen Paläste und Villen in Kyoto: Gosho und Sento-Gosho, Katsura- und Shugakuin-Rikyu sowie das Kyoto State Guest House

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Gosho-Kaiserpalast, Kyoto

Kyoto war mehr als 1300 Jahre lang das kulturelle Zentrum Japans. Lange Zeit auch das politische Zentrum, auch wenn sich die reale politische Macht in andere Städte verlagerte, ganz vorne mit dabei Kamakura und Edo, das alte Tokyo. Bis zur Meiji-Zeit war Kyoto aber unbestreitbar die Heimat des japanischen Adels mit der kaiserlichen Tenno-Familie an der Spitze. Es ist daher nicht überraschend, dass sich in Kyoto die letzten verbliebenen traditionellen Bauten des japanischen Kaisertums konzentrieren. Und diese sind uneingeschränkt empfehlenswert. Alle kaiserlichen Anlagen gehören zum kaiserlichen Hofamt①.

① Kaiserliches Hofamt: jap. kunaichō 宮内庁| eng. Imperial Household Agency

Imperial Palace Gosho, Kyoto / J2019, Japan, Kansai, Kioto, Kyoto, 京都, 日本, 関西
Blick durch das Jomeimon-Tor auf die Halle für Staatszeremonien Shishinden im Gosho

Allgemeine Besuchsabwägungen

Müsste JAKYO die kaiserlichen Sehenswürdigkeiten in Kyoto in eine Rangliste pressen — machen wir gleichzeitig eine Übersicht daraus — so würde diese wie folgt aussehen:

NameEintrittReservierungspflichte Führung?Ort
1) Palast GoshoFreiOptionalPark Gyoen
2) Villa Katsura-Rikyu1000 YenJaSüdwest-Kyoto
3) Villa Shugakuin-RikyuFreiJaNordost-Kyoto
4) Palast Sento-GoshoFreiJaPark Gyoen
Kyoto State Guest House (Geihinkan)ab 1500 YenOptionalPark Gyoen

Das Kyoto State Guest House (Geihinkan) hat mit Absicht keine Nummerierung. Aufgrund seiner modernen Natur spielt das Geihinkan in seiner eigenen Liga und muss sich auch nicht mit traditionellen Sehenswürdigkeiten vergleichen lassen. Die Sache ist einfach: wer mehr etwas Richtung Moderne sehen möchte, für den lohnt sich das Geihinkan auf jeden Fall.

Zurück zu den traditionellen Bauten. Hier ist der Palast Gosho sowohl die bequemste Sehenswürdigkeit als auch für die meisten Besucher wohl die Lohnendste. Es stellt sich nicht die Frage ob man den Gosho besuchen möchte sondern wann. Man kann den Gosho jederzeit spontan besuchen, da man den Besuch seit 2016 nicht mehr reservieren muss.

Muss man sich für eine der beiden Villen entscheiden, hängt die Entscheidung wohl von der Frage ab, ob man eher prächtige Gärten (Katsura) sehen möchte oder eine grandiose Aussicht (Shugakuin). Der Besuch in beiden Villen bedarf einer Reservierung und die Katsura-Villa ist seit 2018 mit einer Eintrittsgebühr von 1000 Yen verbunden.

Einzig den Palast Sento-Gosho kann man ohne schlechtes Gewissen auslassen, da hier eindeutig Blickpunkte fehlen, die im Gedächtnis haften bleiben würde. Allerdings gibt es ein Zeitfenster, das den Sento-Gosho ebenfalls zur Empfehlung macht: die Zeit von Ende April bis Anfang Mai, wenn die Wisteria auf der Brücke über den Teich blühen.

Eines muss man auch zu den Führungen sagen, ohne die man den Sento-Gosho und die beiden Villen nicht besuchen kann: man hat nicht viel Zeit, um sich die einzelnen Stationen anzuschauen und die Wächter, die das Schlusslicht der Gruppe bilden, wirkten immer recht genervt und scheuchen einen recht schnell weiter. Einerseits verständlich, anderseits nicht gerade angenehm.
Zu jeder Führung gibt es einen Audio-Guide dazu, der mindestens Erklärungen auf Englisch liefert.

Die kaiserlichen Anlagen im Park Gyoen

Der Park Gyoen im Herzen von Kyoto beherbergt die letzten verbliebenen historischen Palastanlagen des japanischen Kaisertums. Hier befinden sich der Hauptpalast namens Gosho und der als Residenz nach der Abdankung gebaute Palast namens Sento-Gosho. Ebenfalls im Park befindet sich die modernen Hallen des Geihinkan, dem Empfangshaus für Staatsgäste in Kyoto.

Die kaiserliche Palastanlage Gosho

  • Bezeichnung:
    • Japanisch: gosho 御所
    • Englisch: Kyoto Imperial Palace
  • Besuchsdauer: 40min
  • Hauptfeatures: Palastgebäude, Teichlandlandschaft

Die Palastanlage Gosho dürfte die Hauptanlaufstelle aus allen hier genannten Sehenswürdigkeiten sein. Der Besuch ist kostenlos, ohne Reservierung möglich und auch für sich selbst ohne Teil einer Führung. Am Eingang werden alle Taschen locker inspiziert, man erhält einen Besucherausweis und darf dann durch die Anlage schlendern.

Es gibt sehr viel zu sehen, sowohl was Gebäude betrifft — wovon man aber keines betreten darf — als auch zwei wunderschöne Gartenanlagen. Historisch und kulturell befinden sich hier im Gosho die wichtigsten Gebäude des japanischen Kaisertums, allen voran die Halle für Staatszeremonien und gleichzeitige Thronhalle Shishinden, die das Zentrum der gesamten Anlage bildet.

Der Besuch dauert etwa 30 Minuten bis Open End, je nach eigenem Tempo und Interessen.

Die kaiserliche Palastanlage Sento-Gosho

  • Bezeichnung:
    • Japanisch: sentō gosho 仙洞御所
    • Englisch: Sento Imperial Palace
  • Besuchsdauer: 50min
  • Hauptfeatures: Parkanlage, Brücke mit Wisterien

Keinen Steinwurf vom Gosho entfernt befindet sich die zweite Palastanlage im Park Gyoen, der Sento-Gosho. Der Sento-Gosho war die Residenz für den abgedankten Tenno. Wenn man es genau nehmen möchte, handelt es sich hier um zwei Paläste: den Omiya-Gosho und den namensgebenden Sento-Gosho. Um es noch verwirrender zu machen: den Sento-Palast bekommt man gar nicht zu Gesicht! Nach dem letzten Brand 1854 — es gab mehrere — wurde der Sento-Gosho nicht wieder aufgebaut, da es zu dieser Zeit keinen abgedankten Tenno gab. Der Omiya-Palast wurde 1867 für die Kaiserin Dowager Shoken errichtet. Nach dem Umzug nach Tokyo im Jahr 1872 wurden alle Gebäude bis auf die Residenz Otsunegoten entfernt.

Was kann man also im Sento-Gosho besichtigen? Den Anfang macht die Residenz des Omiya-Gosho, anschließend folgt ein Rundgang um zwei größere Teiche herum, wovon der nördliche Teich zum Omiya-Gosho gehört und der südliche Teil zum Sento-Gosho. Beide Teiche sind durch einen kleinen Fluss verbunden. Das Highlight des Besuchs ist die Yatsuhashi-Brücke über den Teich des Sento-Gosho — allerdings nur dann, wenn man zur Blütezeit der Wisteria Ende April und Anfang Mai die Anlage besucht. Während des Rundgangs kommt man an zwei Teehütten vorbei. Zwar ist die Parkanlage recht schön, aber bis auf die Yatsuhashi-Brücke auch recht simpel.

Das Kyoto State Guest House (Geihinkan)

  • Bezeichnung:
    • Japanisch: geihinkan 迎賓館
    • Englisch: Kyoto State Guest House
  • Besuchsdauer: 40min
  • Hauptfeatures: Moderne Räume im traditionellen Stil, Kunsthandwerk

Das Kyoto State Guest House oder Geihinkan gehört sicherlich nicht zu den traditionellen Bauten der Tenno-Familie. Die erst im April 2005 fertig gestellte Empfangshalle für Staatsgäste bietet sehr moderne Annehmlichkeitem im ebenso edlen Ambiente und alles im Zeichen der Tenno-Familie. Da sich diese Anlage ebenfalls im Park Gyoen befindet — zusammen mit den Palastanlagen Gosho und Sento-Gosho — macht es durchaus Sinn, diese in dieser Reihe ebenfalls anzuführen.

Ohne Führung (‘self-guided’) beträgt der Eintritt 1500 Yen, mit Führung 2000 Yen. Wer das Geihinkan ohne Führung besucht, kann das spontan ohne Reservierung machen, die Führungen sind aber reservierungspflichtig. Man bekommt auf Wunsch kostenlos einen Audio Guide mit englischer Sprache. Alternativ kann man auch die offizielle App für iOS und Android nutzen. Im Regelfall hat das Geihinkan nur mittwochs geschlossen. Aber da es aktiv für Staatsangelegenheiten genutzt wird, kann es zu weiteren geschlossenen Tagen kommen, daher unbedingt vorher die Webseite für Öffnungszeiten checken.

Wie man von einer staatlichen Rezeptionshalle erwarten kann, ist hier alles sehr edel und pompös gestaltet, wenn auch mit dem für Japan typischen Understatement. Der Rundgang führt durch etliche größere Räume und Hallen sowie über eine Brücke über den zentralen Teich. Es werden zahlreiche Gegenstände aus der Tenno-Familie ausgestellt und Kunsthandwerk, die von “Lebenden Nationalschätzen” gefertigt wurden. Schon wegen dieser Gegenstände lohnt sich der Besuch! Und erst diese Teppichböden!

Weniger angenehm — wenn auch durchaus verständlich — sind die zahlreichen Sicherheitsvorkehrungen und Regeln, an die man sich halten muss. Um das dem Besucher deutlich zu machen, erhält man insgesamt drei(!) Einweisungen zu den Hausregeln, bevor man überhaupt das Gebäude selbst betritt. Die Erste findet am Eingangstor zum Gelände statt. Die Zweite in der Garage, die man passieren — hier gibt es auch eine Sicherheitskontrolle wie am Flughafen. Eine Dritte und auch die Letzte dann schließlich am Eingang zum Gebäude selbst. Der Besuch ist ein gutes Training für den eigenen Geduldsfaden. Wichtige Hausregel: man darf sich nicht mal irgendwo hinknien — wahrscheinlich hat das mit Fotografen zu tun ;-)

Lohnt sich der Besuch?
Wer sich für die Umgebung der Tenno-Familie interessiert und sowieso schon die Palastanlagen besucht, für den auf jeden Fall. Die Anlage ist auf jeden Fall interessant und bietet schöne Anblicke, wenn auch manchmal modern nüchtern. Negativpunkte sind die relativ hohen Eintrittskosten und die teilweise ausufernden Sicherheitsvorkehrungen und -regeln.

Wichtig! Bei der zweiten Sicherheitskontrolle in der Garage muss man sämtliche Taschen abgeben. Das ist für Fotografen mit viel Gepäck und mehreren Objektiven problematisch. Entweder alternative Transportmöglichkeiten wie z.B. Befestigung am Gürtel mitbringen oder versuchen, vorher eine Ausnahmegenehmigung zu beantragen.

Die kaiserliche Villen in Kyoto

Gemeinsamkeiten und Besuchsabwägungen

Es gibt heute noch zwei kaiserliche Villen① in Kyoto, die der Öffentlichkeit zugänglich sind. Die im südwestlich liegende Villa Katsura-Rikyu und im Nordosten die Villa Shugakuin-Rikyu. Beiden Villen ist gemein, dass man die Besichtigung reservieren muss und die Besichtigung aus einer Führung durch das Gelände führt. Sämtliche Gebäude darf man nicht betreten, sondern man kann lediglich hineinschauen. Die Reservierung erfolgt über die Webseite der Imperial Household Agency. Während der Besuch der Shugakuin Rikyu noch kostenlos ist, wird seit Ende 2018 für die Katsura-Villa eine Gebühr von 1000 Yen pro Person erhoben.

① Kaiserliche Villa = jap. rikyū 離宮

Kaum Zeit? Welche Villa besuchen?
Auch wenn der Besuchablauf beider Villen recht ähnlich ist, unterscheiden sie sich in wichtigen Punkten deutlich voneinander. Es lohnt sich daher, beide Villen zu besuchen! Wer allerdings nur wenig Zeit in Kyoto zur Verfügung hat und nur eine Villa besuchen möchte, muss abwägen.
Die Anreise und der Besuch selbst ist bei der Katsura-Villa am bequemsten und schnellsten. Anschließend ist man dann auch schnell im Arashiyama-Viertel. Allerdings ist die allgemeine Ästhetik der Villa denen der Tempelgärten nicht unähnlich.
Hat man schon viele Tempel in Kyoto besucht, macht es vielleicht mehr Sinn, die Shugakuin-Villa zu besuchen. Hier wartet ein grandioser Ausblick auf die Randhügel von Kyoto mit weitläufigen Teichlandschaften. Die Anreise und auch der Besuch selbst ist aber deutlich zeitaufwendiger und anstrengender. Die Shugakuin-Villa grenzt an das berühmte Ramen-Viertel Ichijoji an, wo sich ebenfalls etliche wunderschöne Sehenswürdigkeiten befinden.

Die kaiserliche Villa Katsura-Rikyu

  • Bezeichnung:
    • Japanisch: katsura rikyū 桂離宮
    • Englisch: Imperial Villa Katsura
  • Besuchsdauer: 1h
  • Hauptfeatures: Teichlandschaften, Sukiya-Architektur

Die kaiserliche Villa Katsura-Rikyu im südwestlichen Kyoto hat auf jeden Fall die Nase vorne, was die Ästhetik der groß angelegten Gartenanlagen betrifft. Diese sind wirklich wunderschön mitsamt Gebäuden, die sich gut in das Gesamtbild einfügen. Auch die recht zahlreichen Teehütten, die man bei der Führung passiert, sind gut einsehbar und geben Pluspunkte für das Ambiente. Unverzichtbar für alle Liebhaber japanischer (Teich-)Gärten.

Die kaiserliche Villa Shugakuin-Rikyu

  • Bezeichnung:
    • Japanisch: shugakuin rikyū 修学院離宮
    • Englisch: Shugakuin Imperial Villa
  • Besuchsdauer: 1h 30min
  • Hauptfeatures: Aussicht, Teichlandschaften

Besuchsdauer: 1h 30min
Hauptfeatures: Aussicht, Teichlandschaften

Die kaiserliche Villa Shugakuin-Rikyu im nordöstlichen Kyoto hingegegen besticht durch ihre enorme Fläche, ganze 545.000m² findet man hier vor. Das war irgendwann selbst dem kaiserlichen Hofamt zuviel und hat große Teile der unteren Terrassen an Bauern zur Bewirtschaftung verpachtet. Die Führung folgt einem etwa drei Kilometer langen Weg und dauert etwa eine Stunde und 20 Minuten.

Die Villa Shugakuin wurde auf einem Hügel aufgrund der Aussicht gebaut und stellt damit zusammen mit den Teichlandschaften das Hauptfeature der Anlage dar. Gerade im Herbst soll die Ansicht auf die umliegenden Hügel mit ihren Wäldern grandios sein. Die Führung geht durch etliche Tore hindurch und an ein paar wenigen Gebäuden vorbei, die aber allesamt einen guten Blick ins Innere ermöglichen und sehr interessante Aspekte haben.

Der Besuch dieser Villa Schrägstrich Park gehört zu den Sachen, die man nicht im japanischen Hochsommer machen möchte und wenn es doch sein muss, dann unbedingt mit Hut, Sonnenschirm oder sonstigen Schutz gegen die Sonne.
Auch für Allergiker sei eine Warnung ausgesprochen: auf dem Gelände sind unglaublich viele Kiefernbäume angepflanzt, deren Pollen im April und Mai regelrechte Pollenwolken bei Wind abstoßen.

Übersicht

Bewertung

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JAKYO

Kaiserliche Anlagen in Kyoto

Historisch bedeutsame und tolle Anlagen des japanischen Kaisertums.

Bis auf das Kyoto State Guest House komplett kostenfrei
Gosho seit 2016 ohne Reservierung spontan besuchbar
Vielseitige und interessante Gartenanlagen und Gebäude

Reservierung für die Villen Katsura und Shugakuin notwendig
Mit 1500 Yen Eintritt ist das Kyoto State Guest House recht teuer ...
... gleichzeitig muss man auch noch etliche Sicherheitschecks passieren, darf keine Taschen mit hineinnehmen, zahlreiche Regeln beachten etc.

Kommentar zur Bewertung

Sammelbewertung für alle kaiserlichen Anlagen in Kyoto.

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