Der Ryoanji-Tempel gehört ebenso wie die Tempel Kinkakuji, Ginkakuji und Kiyomizudera zu den ganz Großen in Kyoto. Wie aber schlägt sich der direkt an der Nordseite der Ritsumeikan-Universität gelegene Ryoanji in dieser Reihe?

Reihe: Die Großen in Kyoto

Japan-Kyoto Wertung

Über Ryoanji

Ryōan-ji (jap. 龍安寺, dt. „Tempel des zur Ruhe gekommenen Drachen“) ist ein 1499 gegründeter Zen-Tempel im Nordwesten der japanischen Stadt Kyōto in deren Stadtbezirk Ukyō.

Erbaut wurde er 1450 von Hosokawa Katsumoto, einem hohen Staatsbeamten der Muromachi-Zeit, auf einem Grundstück, das ursprünglich der Fujiwara-Familie als Landsitz diente. Seit 1994 gehört er zusammen mit anderen Stätten zum UNESCO-Weltkulturerbe Historisches Kyōto (Kyōto, Uji und Ōtsu). Der Tempel gehört zur größten Schule des Rinzai-Zen mit dem Muttertempel Myōshin-ji.

Wikipedia

Interessant an dieser Stelle ist, dass der Ryoanji-Tempel eigentlich ein Subtempel des südlicher gelegenen Myoshinji-Tempels ist.

Rundgang

Eingang

Für einen Tempel mit dieser Berühmtheit ist der Eingang doch relativ unspektakulär und könnte sogar leicht übersehen werden, wenn man nicht wüsste, was sich dort verbirgt. Aber für den gewieften Kyotobesucher stellt das kein Hindernis dar.

ryoanji

Kurz vor dem ersten Tor findet man dann auch schon die Verkaufsstelle für die Eintrittstickets. Dieses Ticket muss man aber erst am Kuri-Gebäude abgeben, davor befindet sich aber das weitläufige Areal des Kyoyochi-Teichs. Ohne es einen Test unterzogen zu haben kann es sein, dass man das Gebiet um den Teich herum kostenlos besuchen kann.

So sieht es übrigens direkt hinter dem ersten Eingangstor aus:

ryoanji

Der Ryoanji schafft es immer wieder. Zuerst denkt man „Oh, heute scheinen kaum Leute da zu zu sein!“, aber warum es verfrüht ist, das anzunehmen, dazu gleich.

Kyoyochi-Teich und Tempeleingang

…und schaut man dann nach links, sieht man den Kyoyochi-Teich鏡容池 kyōyōchi auch gleich.

ryoanji

Kyoyochi-Teich im Herbst

ryoanji

Kyoyochi-Teich im Frühling mit blühenden Seerosen

Ungefähr in der Mitte des Teichs befindet sich auch eine kleine Insel, zu der man mit einer Brücke kommen kann. Dort befindet sich ein kleiner Schrein.

Es dauert dann auch nicht lange, bis man vor dem Eingang zu den Tempelgebäuden steht, zu dem eine Steintreppe führt.

Steingarten und Hojo

Nachdem man das Gebäude betreten hat und durch einen kleinen Korridor am Verkaufsstand vorbei ist, knallt es einem förmlich ins Gesicht, wo sich all die erwarteten Besucher konzentrieren. Wenig überraschend an der Hauptattraktion des Ryoanji, seinen berühmten Steingarten. Dann befindet man sich auch im Hojo.

Man geht davon aus, dass der Garten um 1500 kreiert wurde vom Mönch Tokuho Zenketsu. Insgesamt liegen hier 15 Steine von verschiedener Größe. Es heißt, dass man von keiner Stelle der Veranda aus alle 15 Steine gleichzeitig sehen könne.

Man sollte auch der Wand um den Steingarten herum besondere Aufmerksamkeit widmen, die ihren eigenen Reiz hat.

ryoanji

Auch in schwarz-weiß macht der Steingarten eine gute Figur.

ryoanji karesansui
ryoanji karesansui

Im Hojo gibt es zahlreiche Fusuma zu betrachten.

Chisoku no Tsukubai

Der weitere Rundgang führt um das Hojo herum. Der nächste interessante Punkt ist dann dieses Wasserbecken, das chisoku no tsukubai1)知足の蹲 chisoku no tsukubai. Dieses Tsukubai wurde vom Feudallord Tokugawa Mitsukuni (1628-1701) gestiftet.

ryoanji

Auf dem Bild sind die vier Schriftzeichen leider nicht gut zu erkennen. Im Kreis um das viereckige Wasserbecken sind folgende vier Zeichen, denen gemein ist, dass sie alle auch Radikale sind:


矢 隹

Das viereckige Wasserbecken kann man  auch als Schriftzeichen nehmen und zwar für Mund, kuchi 口. Dieses Schriftzeichen wiederum kann auch als Radikal verwendet werdet. Fügt man dieses Radikal nun an die entsprechenden Seiten der anderen Radikale, erhält man folgende, vollständige Schriftzeichen:


知 唯

Und daraus wird in etwa folgender Spruch:

吾れ唯だ足ることを知る ware tada taru koto o shiru

Was dann in etwa bedeutet: „Zufrieden sein mit dem, was man hat.“

Fast genau so interessant und faszinierend finde ich den kleinen Teich, der sich direkt neben dem Tsukubai befindet.

Danach geht es auf dem gleichen Wege heraus, auf dem man auch herein gekommen ist. Es geht wieder auf den Pfad, der um den Kyoyochi-Teich führt.

Chokushimon-Tor

Nach ein paar Meter kann man sich noch das Chokushimon-Tor von außen ansehen. Direkt dahinter befindet sich der Steingarten und das Hojo.

Wieder Teich, Yudofu und Ausgang

Der Pfad um den Teich herum bietet eine angenehme und ruhige Atmosphäre, aber keine wirklich spannenden Punkte mehr.

Nach etwa der Hälfte kommt man zum Eingang eines Restaurants, welches speziell yudōfu2)湯豆腐 yudōfu serviert, eine Tofu-Spezialität aus Kyoto. Im Prinzip handelt es sich dabei um Tofu, der in heißen Wasser oder Konbu gekocht wurde, mehr Details dazu hier.

Danach gibt es dann leider nichts mehr. Man kann noch am Teich verweilen oder sich zum Ausgang begeben.

Ryoanji besucht man normalerweise im Paket mit dem nahe gelegenen Kinkakuji-Tempel, den man optimalerweise zuvor besucht hat. Anschließend kann man weiter zum Ninnaji-Tempel. Wer es aber nach dem Ryoanji etwas ruhiger mag, direkt südlich in der Nähe liegt der Tojiin-Tempel (Google Maps), der Familientempel der Ashikaga-Familie. Dort findet man einen wunderschönen Tempelgarten.

Goshuin

Informationen über die Goshuin – Linke Seite vom Souvenirgeschäft

goshuin ryoanji

Goshuin Ryoanji

Empfohlen mit

Kinkakuji – goldener Pavillon

Ninnaji, ein Monzeki-Tempel

Tojiin (folgt)

Infos und Wertung

Berühmter Tempel mit sehr schönen Steingarten. Aber leider wird gerade der Steingarten regelrecht belagert.

Besucht am
2009, 13. November 2015, Mai 2016
Empfohlene Besuchszeit
Anfang April (Kirschblüte) bis Ende Mai
Eintritt
Öffnungszeiten
500 Yen
März – November: 8:00 bis 17:00 Uhr
Dezember – Februar: 8:00 bis 16:30 Uhr
Infos: Ryoanji.jp/smph/eng (englisch)
Webseite
Adresse
13 Ryoanji Goryonoshitacho, Ukyo Ward, Kyoto, Kyoto Prefecture 616-8001, Japan
Google Maps
Schreibweisen
ryōanji
龍安寺
りょうあんじ
Weitere Namen
大雲山龍安寺 | daiunzan ryōanji
Buddhistische Schule
Rinzai, Zen
Weitere Infos
Wikipedia (mehrsprachig)

Schöner Steingarten
Weitläufer Garten mit schöner Atmosphäre

Steingarten wird regelrecht belagert

Liste aller Bewertungen

Ryoanji-Tempel (Kyoto)
3 von 5
Wertung
Die Großen in Kyoto
3 von 5
Wertung

Beiträge aus der Umgebung

Begeisterter Kyoto-Insider und ambitionierter Amateurfotograf mit Vorliebe für Tempel und Schreine.
Interessen: Kyoto als Erkundungsgebiet, Tee- und traditionelle Kultur in Japan, Erfahrungen in Schriftform pressen
Sportlich: Kendo – das japanische Fechten

Fußnoten   [ + ]

1.知足の蹲 chisoku no tsukubai
2.湯豆腐 yudōfu