Zum Stil oder zum Erlebnis traditioneller Geschäfte in Kyoto gehört es oftmals, dass die Frontseite des Geschäfts sehr unscheinbar ist und man quasi blind eintritt. Es kann sogar vorkommen, dass man kaum oder gar nicht erkennen kann, was der Laden innen nun verkauft. Kitamura Tokusai Fukusa gehört definitiv zu solchen Läden, da man ihm nur mit Vorwissen ansieht, dass er hauptsächlich Fukusa verkauft, aber auch sonst sämtlichen Textilbedarf, den man in der japanischen Teewelt so braucht.

Über Kitamura Tokusai

Kitamura Tokusai gibt es schon seit dem Jahr 1712 und befindet sich an der Kreuzung Horikawa Teranouchi, in direkter Nähe zu den großen Teeschulen Urasenke und Omotesenke. Seinen heutigen Namen tokusai (德齋) hat der Laden vom 14. Oberhaupt der Urasenke, Tantansai (淡々斎), erhalten. Kitamura Tokusai ist in seiner Form als spezialisierter Fukusahersteller ziemlich einzigartig in Japan.

Im Stil eines Kyoto Machiya

Das Geschäft von Kitamura Tokusai ist ein gutes Beispiel für ein traditionelles Machiya aus Kyoto. Den ersten Hinweis auf das Ladendasein bietet das geteilte, motivlose Tuch (noren) vor dem Eingang. Was aber darin verkauft wird, darauf weist das kleine orange-/rotfarbene Stück Stoff rechts vom Eingang hin. Ein Fukusa, welches man für die rituelle Reinigung bestimmter Gegenstände in einer Teezeremonie braucht. Nun kann man sich vorstellen, wieviel Vorwissen es braucht, um halbwegs etwas aus der Außenansicht herauslesen zu können.

Betritt man nun den Laden, befindet man sich in einen große, aber zweigeteilten Raum. Direkt nach dem Eintreten befindet man im vorderen Drittel, der noch mit Schuhen betreten werden darf und auch eine Sitzbank bietet (japanischer Blogartikel mit weiteren Bildern). Die anderen zwei Drittel des Raums, den man durch Schiebetüren zumachen könnte, ist eine um etwa 40cm erhöhte Fläche, die mit grauen Teppich ausgestattet ist. Auf den ersten Blick eine Mischung Arbeits-, Wohn- und Geschäftszimmer. Eine Ausstellung der Waren gibt es so gut wie nicht, aber die zahlreichen Kobukusa (kleinere Stoffe) auf dem Tisch fallen sofort auf.

Eingangsbereich

Der hintere Bereich des Zimmers mit Arbeitstisch und großen Wandschrank

Tisch in der Mitte des Raums mit zahlreichen Kobukusa (kleine Stoffe) und violetten Fukusa (große Stoffe)

Der Kauf der Fukusa

Das Haus geht natürlich noch weiter nach hinten, aber der öffentliche Geschäftsbereich ist nur dieser vordere Raum. Nach dem Eintreten kam Herr Kitamura auch ziemlich schnell aus dem hinteren Bereich des Hauses und begrüßte uns. Da ich beauftragt worden bin, Fukusa zu kaufen, ging es genau darum.

Wie der Webseite von Kitamura Tokusai zu entnehmen ist, gibt es die musterlosen Fukusa in vier unterschiedlichen Stärken, die von dünn bis dick gyō, shin, gokujō und tokuyū genannt werden. Der Unterschied zur nächsthöheren Stärke ist kaum spürbar, aber der Unterschied zwischen gyō und tokuyū ist überdeutlich. Diese Fukusa kosten zwischen 5000 bis 7000 Yen.

Rotes und violette Fukusa der Qualität tokuyū samt Verpackung

Herr Kitamura

Nach etwas Widerwillen hat sich Herr Kitamura doch noch bereit erklärt, sich mit seinen Waren zu präsentieren.

Infos und Wertung

Charmantes kleines Geschäft mit riesiger Auswahl in direkter Nähe zu den Teeschulen Urasenke und Omotesenke.

Besucht am
07. und 14. April 2014
Öffnungszeiten
Mo-Fr, 9 bis 17 Uhr
Geschlossen während des Obon-Fests (Mitte August) und zu Neujahr
Infos: http://kitamura-tokusai.jp/en/ (englisch)
Adresse
414 Tozaicho, Horikawa-nishi-iru, Teranouchi-dori, Kamigyo-ku, Kyoto 602-8411
〒602-8411, 京都府京都市上京区寺之内通堀川西入東西町414
Google Maps
Sprachen
Japanisch
Wikipedia
Schreibweisen
kitamura tokusai fukusa ten
北村德齋帛紗店
きたむらとくさいふくさてん
Sonstiges
Rabatt für Teeschüler, speziell Urasenke Midorikai- und ICI-Studenten

Riesige Auswahl an Fukusa

Kein Englisch

Kitamura Tokusai Tücher (Kyoto)
4 von 5
Lage
Qualität
Service
Begeisterter Kyoto-Insider und ambitionierter Amateurfotograf mit Vorliebe für Tempel und Schreine.
Interessen: Kyoto als Erkundungsgebiet, Tee- und traditionelle Kultur in Japan, Erfahrungen in Schriftform pressen
Sportlich: Kendo – das japanische Fechten