Seit dem 2. September (bis zum 27. September) wird im Kabuki-Theater Minamiza (南座) das Stück „Yoshitsune Senbon Sakura“ (義経千本桜, „Yoshitsune und die Tausend Kirschblüten) vorgeführt. Yoshitsune Senbon Sakura gilt als eines der drei Meisterwerke des Kabuki (歌舞伎) und entsprechend groß war dann auch der Ansturm auf die Karten. Wir haben zum Glück noch Karten direkt am ersten Tag für die zweite Hälfte des Stücks (ab Akt 3) bekommen. Die erste Hälfte wird vormittags gespielt.

In dem Stück, welches nach dem Genpei-Krieg handelt, geht es um Yoshitsune, der Jagd auf drei Generäle der Taira macht. Gleichzeitig wird er von Häschern seines Bruders Yoritomo verfolgt, der inzwischen Shogun ist und dank intriganten Höflingen kein Vertrauen mehr zu Yoshitsune hat.
Historisch ist das Werk nicht ganz korrekt, denn die drei Generäle sind am Ende des Krieges mit einem Schiff abgesoffen.

Dank des Begleithefts habe ich auch die Handlung verstanden. Die Plätze, die wir hatten, waren ganz hinten, somit waren die Stimmen nicht ganz so leicht zu verstehen. Die Handlung stand im Begleitheft auch in Englisch. Insgesamt war das Stück sehr interessant und die Kostüme natürlich fantastisch – auch wenn das Fuchskostüm etwas seltsam war. „Wow“-Erlebnisse gab es natürlich auch, als zum Beispiel der Fuchs, in Gestalt eines Menschens, plötzlich durch den Boden fiel und Milisekunden später in Fuchsgestalt wieder zum Vorschein kam. Auch der Abschied des Fuchses in einer Szene war ein Highlight, an Drahtseilen wurde er „weggeflogen“ – unter Einsatz vieler Kirschblüten.

Überrascht hat mich, dass Zuschauer teilweise die Darsteller anfeuerten. Die Familien der wichtigen Darsteller hatten einen eigenen Künstlernamen, die alle auf -ya (屋) endeten. Bei wichtigen Szenen hörte man dann Anfeuerungsrufe wie „Matsushimaya!“ (松島屋). Diese Rufe trugen sehr zur Atmosphäre bei, da sie immer in einem tiefen, starken Ton gerufen wurden.

Bilder durfte ich natürlich nicht machen und wäre auch zu riskant gewesen, daher kann ich leider nur zwei Bilder aus dem Begleitheft präsentieren:

Begeisterter Kyoto-Insider und ambitionierter Amateurfotograf mit Vorliebe für Tempel und Schreine.
Interessen: Kyoto als Erkundungsgebiet, Tee- und traditionelle Kultur in Japan, Erfahrungen in Schriftform pressen
Sportlich: Kendo – das japanische Fechten