Über den kleinen Laden Tsujiwa Kanaami in Kyoto, welcher Küchenartikel aus Drahtnetz in exzellenter Qualität zu angemessenen Preisen anbietet.

Der Dank für diesen Artikel geht an Frau Dr. Meyer von der Universität Tübingen. Von ihrer Webseite ( www.kyotomeishozue.de ) habe ich überhaupt erst von Tsujiwa Kanaami erfahren.

Es wird dringend Zeit, über Qualität zu sprechen. Über Handwerkskunst. Ich war selber lange Zeit jemand, der sich fast nur billige Massenprodukte gekauft. Seit einer gewissen Zeit und vor allem Dank Japan habe ich aber die Scheu abgelegt, mir auch mal teurere Objekte zu „gönnen“. Damit meine ich aber nicht teure Markenprodukte, die hauptsächlich wegen dem Markenname übermäßig teuer sind, sondern ich rede über Dinge, bei denen man genau weiß, dass sich jemand mit seinen eigenen Händen bemüht hat, mit Erfahrung und Geschick etwas außergewöhnliches herzustellen. Objekte, zu denen man eine persönliche Verbindung aufbauen kann und diese dementsprechend wertschätzt.

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Ein Laden, der solche Objekte der Begierde verkauft, ist Tsujiwa Kanaami (辻和金網) südlich vom ehemaligen Kaiserpalast in Kyoto. Hier werden seit der Gründung des Ladens nur Techniken verwendet, die schon seit über 80 Jahren unverändert geblieben sind und bis heute meisterliche Leistungen darstellen. Verkauft werden Küchenartikel aus Drahtnetz.

Zum Beispiel Teesiebe (chakoshi 茶こし) …

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…Schöpflöffel für Tofu (yudôfu-shakushi 湯豆腐杓子)…

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…und vieles mehr:

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Die Hälfte des Ladens nimmt die offene Werkstatt ein, in der die Meister sichtbar für alle ihre kleinen Kunstwerke herstellen.

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Bei dem Herrn auf dem letzten Bild haben wir dann schließlich eingekauft. Die obligatorische Frage, woher ich denn komme, leitete auf eine kleine Geschichte von ihm über, in der er erzählte, dass er schon in München und auf der Zugspitze war. Mit einer erstaunlich guten Aussprache der deutschen Wörter!

Meine Wahl ist auf das Teesieb mittlerer Größe gefallen. Ich konnte es bereits bei meinem Besuch im Teehaus von Marukyu-Koyama-En bewundern, wir erinnern uns an den Artikel und spezifischer an das Bild. Ob das nun aber direkt von Tsujiwa Kanaami war, kann ich nicht sagen.

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Webseite Tsujiwa Kanaami: www.tujiwa-kanaami.com

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Hintergrund: Drahtnetzhandwerk

Auf der Webseite von Tsujiwa Kanaami findet man auch eine kleine Abhandlung über die Geschichte von Drahtnetzhandwerk.

Man sagt, das Handwerk mit Drahtnetzen geht bis in die Heianzeit (Anm.: 794-1192 n. Chr.) zurück. Die Handwerker, die diese Techniken fortgeführt haben, machten das Drahtnetzhandwerk in der Meijizeit (Anm.: 1868-1912) berühmt und das Geschäft florierte. Aber die Einführung von Plastik und die Industrialisierung drückte den Preis von Drahtnetzwaren deutlich nach unten und in der Folge wurde ein Laden nach dem anderen geschlossen. Trotz dieser Umstände hat Tsujiwa eine sorgfältig ausgearbeitete, meisterliche Handwerkskunst entwickelt. Die Schönheit mit geschickter Technik kreierter Maschen kann von maschineller Massenproduktion nicht nachgeahmt werden, die Handwerkskunst erzeugt Objekte mit einer ganz eigenen Eleganz. Nur mit einem Brett mit eingeschlagenen Nägeln und dem eigenen Fingerspitzengefühl werden die feinen Drähte bearbeitet.
Gerade weil es Handarbeit ist, kann man es an den Verwendungszweck anpassen und Dicke der Drähte sowie Größe der Maschen ändern. Außerdem kann man Beschädigungen reparieren, die nach einer langer Benutzungszeit entstehen können.

Quelle: Tsujiwa Kanaami

Begeisterter Kyoto-Insider und ambitionierter Amateurfotograf mit Vorliebe für Tempel und Schreine.
Interessen: Kyoto als Erkundungsgebiet, Tee- und traditionelle Kultur in Japan, Erfahrungen in Schriftform pressen
Sportlich: Kendo – das japanische Fechten