Oshogatsu: Silvester und Neujahr in Kyoto und Japan

Japan hat seine ganz eigenen Bräuche zum Jahreswechsel, für die es sich lohnt, speziell zum Neujahr die Insel im fernen Osten zu besuchen. Schreinbesuche, Glockenschläge, spezielle Mahlzeiten und natürlich auch die dazugehörigen Spannungen zwischen traditionellen japanischen Bräuchen und importierten Bräuchen aus dem Westen.

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Begriffe zu Silvester und Neujahr in Japan

In Japan sind die Begrifflichkeiten wie bei uns mit Silvester und Neujahr in zwei verschiedene Wörter verpackt. Der letzte Tag im Jahr, also der 31. Dezember, wird in Japan Toshikoshi genannt, sinngemäß “der Übergang ins nächste Jahr”. Am Toshikoshi-Tag werden auch oft die Toshikoshi-Soba-Nudeln gegessen. Die in Japan bedeutendere Phase ist aber der Oshogatsu genannte Zeitraum vom 01. bis zum 04. Dezember, in der Schreine und Tempel besucht werden (Hatsumode) und das Osechi-Mahl zu sich genommen wird. Der erste Tag im neuen Jahr, der 01 Januar, wird in Japan Ganjitsu genannt.

年越し
toshikoshi
Der letzte Tag im Jahr

お正月
oshōgatsu
Das Neujahr in Japan

元日
ganjitsu
Der erste Tag im neuen Jahr

Silvester in Japan

Im westlichen Kulturkreis wird Silvester vor allem mit Feuerwerk, Böllern und Glockenläuten begangen. Der Schwerpunkt liegt dabei heutzutage auf der Vorfreude auf das neue Jahr. Neben großen, von Städten ausgerichteten Feuerwerken gibt es auch massiv private Feuerwerke und das ist bislang noch der große Unterschied zu Japan: auf der Insel gibt es das Neujahrsfeuerwerk hauptsächlich von staatlicher Seite aus, das private Zünden von Raketen und Böllern kommt aktuell nur sehr zaghaft, wobei es in größeren Städten schon verbreitet ist.

Für den traditionelleren Grund, zum Neujahr Feuerwerk zu zünden, nämlich das Vertreiben böser Geister, hatte Japan schon seit Anbeginn andere Bräuche. Zum Beispiel das Obon-Fest im Sommer, um den Geistern von Verstorbenen den Weg ins Jenseits zu leuchten, damit diese nicht zu bösen Geistern werden.

Die Geräuschkulisse von Raketen und Böllern verträgt sich aber nicht sonderlich gut mit einem weiteren japanischen Brauch, den 108 Glockenschlägen. Mehr dazu weiter unten unter Joya no Kane.

Hatsumode – Schreinbesuch für das neue Jahr

初詣 hatsumōde

Um für ein gutes Jahr und Glück zu beten, werden um Neujahr herum (vom 31. Dezember bis zum 03. Januar) die überall präsenten Schreine – seltener auch Tempel – besucht. Die Schreingänge in dieser Zeit nennt man Hatsumode, der erste Schrein- oder Tempelbesuch – meist aber im Plural, denn so gut wie immer werden mehrere Schreine besucht. Besonders die großen und berühmten Schreine werden dabei von Menschenmassen aufgesucht, die man kaum glauben mag. In Kyoto ist das besonders der Yasaka-Jinja-Schrein, wo man gut und gerne drei Stunden in einer Schlange steht, um ein Gebet am normalerweise sofort zugänglichen Heiligtum zu sprechen. Glücklicherweise gibt es dann aber meist entlang der Schlange Imbissstände, an denen man sich mit japanischen Köstlichkeiten laben kann.

Mit dem Hatsumode gibt es je nach Schrein noch viele weitere, kleinere Bräuche. So stehen im Yasaka-Jinja-Schrein zum Beispiel heilige Feuer. An denen kann man Lunten entzünden, mit denen man dann zuhause den Herd anzündet. Kocht man mit diesem Feuer dann eine Mahlzeit, soll das Gesundheit für das neue Jahr bringen. Es sollte aber klar sein, dass man mit diesen Lunten nicht in Bus oder Bahn in Kyoto oder sonstwo einsteigen darf ;-)

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Das Anzünden von Lunten am heiligen Feuer im Yasaka-Jinja-Schrein

Natürlich werden auch die über das gesamte Jahr über übliche Bräuche noch eifriger als sonst ausgeübt, wie zum Beispiel das Schreiben von Wünschen und Gebete auf die kleinen Holztäfelchen Ema, die dann hoffentlich von der eingeschreinten Gottheit gehört werden.

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Ema aufhängen mit Neujahrswünschen am Heian-Jingu-Schrein

Und Japan wäre nicht Japan, wenn es nicht allerhand spirituelles Merchandising für ein erfolgreiches neues Jahr zu kaufen gäbe.

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Spirituelles Merchandise am Yasaka-Jinja-Schrein

Joya no Kane – 108 Glockenschläge in Tempeln

除夜の鐘 jōya no kane

Ein Brauch, den man sich nicht entgehen lassen sollte zum Neujahr in Japan ist das Läuten der Glocken in Tempeln, auf japanisch Joya no Kane. In zahlreichen Tempeln wird am 31. Dezember gegen 23 Uhr damit angefangen, die Tempelglocke insgesamt 108 Mal zu schlagen. Man sagt, dass das Läuten der Glocke 108 Mal von irdischen Begierden wie Wut, Gier und Besessenheit befreien soll. Ob das wirklich hilft sei jedem selbst überlassen, aber das Joya no Kane ist besonders bei großen Glocken ein Spektakel.

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Joya no Kane im Tempel Chionin

Es gibt zwei Tempelglocken im Raum Kyoto, die so groß sind, dass insgesamt 17 Mönche notwendig sind, um den Holzstamm zum Schlagen der Glocke in Bewegung zu setzen. In Kyoto selbst ist das die Glocke im Tempel Chionin und die zweite große Glocke befindet sich in Nara im Tempel Todaiji.

Fun Fact: wie oben bereits angedeutet, verträgt sich das Joya no Kane nicht sonderlich gut mit Feuerwerkskrach. So gibt es in der Teeschule Urasenke, in der sich oft Mitglieder am Silvesterabend zu Teezusammenkünften treffen, häufig Beschwerden über Böller und sonstige Störgeräusche. Denn diese übertönen den angenehmen Klang der Glocken aus der Ferne, während man seinen Tee trinkt. Barbarisch, dieser Feuerwerksbrauch!

Budo – Kendotraining zum Neujahr

Was Kendo betrifft, ist der Neujahrswechsel in Japan eine der trainingsintensivsten Zeiten überhaupt. Da gibt es u.a. das ①Kangeiko, das berüchtigte Wintertraining zur Abhärtung. Die zahlreich stattfindenden Trainingseinheiten am 31. Dezember werden ②Toshikoshigeiko genannt. Am 01. Januar gibt es dann auch keine Pause, sondern ③Gantangeiko! Mehr Infos dazu auf Kenshi247.net. Bonus (Osaka Kangeiko 2019).

①寒稽古 ②年越稽古 ③元旦稽古

In Kyoto am Heian-Jingu-Schrein gibt es auch eine spezielle Trainingseinheit namens heian jingu hōnō rensei taikai*, um seine Hingabe und Bereitschaft vor den Gottheiten zu zeigen. Eine Art Open-Air-Training im großen Stil.

*平安神宮奉納錬成大会

Hono Rensei Taikai am Heian-Jingu-Schrein ©Myokakuji Dojo
Hono Rensei Taikai am Heian-Jingu-Schrein ©Myokakuji Dojo

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