Während wir in Deutschland jedes Jahr eine Menge Feuerwerk in die Luft jagen, geht es in Japan wesentlich gemütlicher zu. Abgesehen von dem Trend, dass sich viele junge Menschen in Japan inzwischen auch mit Alkohol zuschütten, gibt es traditionellere Arten in Japan, das neue Jahr zu begrüßen. Das Hauptevent ist wohl der Besuch von Tempeln und Schreinen an den ersten Tagen im neuen Jahr, hatsumōde genannt, siehe Neujahr 2011/12. Hier soll es aber nun um einen Tee gehen, der zu Neujahr getrunken wird, den ōbukucha 大福茶.

obukucha daifukucha

Obukucha vom Teeladen Ryuoen, Kyoto

Allgemein Obukucha

obukucha obubu

Obukucha, Bild ©Obubu Teeladen

Obukucha ist ein Tee, der keine eigene Teesorte darstellt. Je nach Teeladen kann es ein Genmaicha sein (z.B. Ippodo) oder ein Sencha und Matcha (z.B. Ryuoen), zumeist ist es aber ein Tee von höherer Qualität. Übersetzt heißt ōbukucha nämlich „Tee des großes Glücks“ und soll entsprechend Glück und Gesundheit ins Haus bringen. Man kann Obukucha pur trinken, traditionell wird er aber mit einer getrockneten Pflaume und / oder Seetang (im Tee) getrunken.

Obukucha ist hauptsächlich eine Tradition in Kyoto und kann an Neujahr in bestimmten Tempeln und Schreinen getrunken werden. Für die meisten ist es aber eine häusliche Angelegenheit, was man bei der Kälte im Winter sehr gut verstehen kann.

Die Kanji von Obukucha können auch noch als daifukucha gelesen werden, scheinen aber eine etwas andere Sache zu meinen. Und zwar einen Tee, den man bei einer Zeremonie erhält.

Ursprung Obukucha

murakami tenno

Murakami Tenno

Den Ursprung hat Obukucha im 10. Jahrhundert genommen, zu einer Zeit, in der Tee vor allem noch als Medizin betrachtet wurde. Ein Mönch namens Kuya schenkte Tee mit getrockneten Pflaumen an Kranke aus. Da es wirksam schien, kam das Wissen über diesen Tee auch an den Kaiserhof, wo ihn Murakami Tenno zu Neujahr trank und so diese Tradition etablierte. Dieser Tee wurde zunächst in anderen Kanji geschrieben, aber gleich wie ōbukucha gelesen: 皇服茶 oder 王服茶 „Teemedizin des Tenno“. Vom Volk wurde dies mit Glück in Verbindung gebracht, was zur heutigen Kanjischreibweise 大福茶 führte.

Quellen

Begeisterter Kyoto-Insider und ambitionierter Amateurfotograf mit Vorliebe für Tempel und Schreine.
Interessen: Kyoto als Erkundungsgebiet, Tee- und traditionelle Kultur in Japan, Erfahrungen in Schriftform pressen
Sportlich: Kendo – das japanische Fechten