Lasst den armen Bambus in Ruhe! Belastungen durch den Tourismus in Japan.

Auch Kiyomi und Satomi machen es.

Es ist gerade mal Mitte Mai und eine negative Schlagzeile beherrscht gerade den japanischen Social Media Feed: Schnitzereien im Bambus, gerade in den touristisch stark frequentierten Gebieten wie Arashiyama in Kyoto. Seit April dieses Jahres scheinen diese Kritzeleien stark zuzunehmen, was schwere Folgen für  den Bambuswald haben kann.

Schäden am Bambus

Wer Bambuswälder in Japan schon besucht hat, hat es vielleicht selber schon gesehen: eingeritzte Namen in den Bambusstämmen. Der Bernd aus Deutschland hat es gemacht, der Kim aus Korea, die Shenmi aus China und natürlich sind auch immer Amerikaner wie George oder Michael dabei (zur Auswahl der Namen komme ich später nochmal zurück)*. Zum Andenken an den schönen Kyoto-Urlaub ‘verewigt’ man seinen Namen in den schönen Bambusstämmen und freut sich darüber.

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Auch Kiyomi und Satomi machen es.

Dazu ein paar kurze, knackige Punkte:

  1. Es sieht furchtbar aus.
  2. Ewig ist es schon gar nicht, da die Kritzeleien aktiv entfernt werden. Teilweise mit blauen Klebeband, was Punkt 1 verstärkt, wenn man überall plötzlich blau sieht.
  3. Am schlimmsten: es schadet dem Bambus!

Gerade letztes Punkt hat es in sich. Die Schnitzereien schaden dem Bambus und kann im schlimmsten Fall zum Absterben führen, dann muss der Bambus natürlich gefällt werden. Bambus hat zudem die Eigenschaft, dass sie durch Wurzeln untereinander verbunden sind, das Absterben eines Bambusbaums kann daher zum Absterben weiterer Bambusbäume in der Nähe führen! Die schönen Ansichten in den Bambuswäldern können in Zukunft daher deutlich anders aussehen, wenn dieses Verhalten ungebremst weitergeht, daher die Bitte:

Genießt die Landschaft, aber lasst den Bambus in Ruhe!

Belastungen durch den Tourismus

Die Schäden an den Bambuswäldern ist nur das neueste Symptom einer Problematik, die in den letzten Jahren an Intensität gewonnen hat: die allgemeine Belastung durch den Tourismus in Japan. Im Japanischen etabliert sich dafür bereits der Begriff kankō kōgai 観光公害 – Belastungen bzw. Umweltschäden durch den Tourismus.

In 2011 ist die Zahl der Touristen aus Übersee wegen der Tsunamikatastrophe eingebrochen. Als Gegenmaßnahme wurde eine Tourismuskampagne hochgefahren, die wohl die wildesten Träume übertroffen hat. Ganze 28 Millionen Touristen aus Übersee besuchten 2017 Japan (Japan Times), ein Rekordhoch. Das Ziel liegt aber bei 40 Millionen bis 2020, dem Jahr der olympischen Spiele in Tokyo. Doch bereits mit der aktuellen Anzahl an Touristen kommt es zu etlichen Problemen, auf die sich Japan offensichtlich nur ungenügend vorbereitet hat. Die Grauzone AirBnB, überfüllte Stadtbusse in Kyoto und nun geht es auch noch dem armen Bambus an den Kragen!

Man kann (muss?) aber auch sagen: selber Schuld, Japan! Einfach immer nur mehr Touristen ins Land locken zu wollen und dann hoffen, das alles ja irgendwie gut laufen wird, das geht nicht. Nein, alles hat seine Folgen und im besten Fall trifft man Vorkehrungen, damit man hinterher den Problemen nicht nachrennen muss. Am Geld wird es bei der Zahl an Touristen wohl kaum liegen.

Es wird daher immer wichtiger, auf den sozialen Umgang miteinander und den pfleglichen Umgang mit seiner Umwelt zu achten. Immer mehr Städte werden zu Tourismusmagneten und die Zahl der Touristen insgesamt steigt immer weiter. Vor allem für historisch gewachsene Städte wird das zum Problem. In Japan ist das eindeutig Kyoto, in Europa zum Beispiel Barcelona und Dubrovnik (tolle Doku dazu: Tourists Go Home!). Ein Tokyo kann die Massen deutlich besser handhaben.

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Bonusthema: die Ausländer sind Schuld!

*Zurück zur Auswahl der Namen weiter oben. Beim Thema Bambuskritzeleien heben viele Artikel und Postings in den sozialen Medien besonders einen Punkt hervor: die Verursacher waren ausländische Touristen. Nach eigenen Beobachtungen sind durchaus auch japanische Besucher am Werk (siehe Bild oben), auch wenn es vermutlich stimmt, dass der Großteil von Touristen aus Übersee verbrochen wird. Es ist aber schade zu sehen, dass das Thema auch dazu benutzt wird, gegen Ausländer Stimmung zu machen. Nicht-Japaner machen bei dem Trend gerne mit, glorifizieren Japan geradezu und finden das Verhalten der nicht-japanischen Touristen in Japan unverschämt und respektlos (natürlich ist man selber immer eine Ausnahme). Japan ist ja auch ein tolles Land, keine Frage.

Japan great, Ausländer doof?

Das nicht nur ausländische Touristen das Problem sein können, sondern Touristen allgemein (auch japanische), kann man auch an folgenden Zahlen ablesen: wie oben bereits erwähnt, besuchten Japan im Jahr 2017 insgesamt 28 Millionen Touristen aus Übersee, viele davon wohl mit Schwerpunkt Tokyo. Kyoto hat aber jedes Jahr insgesamt um die 50 Millionen Besucher!

Um noch ein Beispiel zu nennen: Im Videobeitrag von ANN News geht es rein um ausländische Namen.

/Update: Leider wurde der Videobeitrag inzwischen entfernt.

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