Die Reise zur Töpferstadt Tokoname!

Am Montag, dem 20. Februar, ging es früh morgens aus dem Bett und nach einem guten Frühstück im Hotel ging es auf Richtung Tokoname im Süden von Nagoya. Von der Bahnstation Sakae (栄) ging es zunächst zur Station Kanayama (金山駅), wo wir in die Meitetsu-Bahnlinie (名鉄線) Richtung Chugokusaikûkô (部国際空港行) eingestiegen sind. Nach etwa 40 Minuten sind wir am Bahnhof Tokoname (常滑駅) angekommen und ab ins Vergnügen!

Tokoname 常滑

Hier kann ich gleich einen guten Ratschlag geben: Montags sollte man nicht nach Tokoname gehen. Warum? Weil etwa 90% aller Läden genau an dem Tag geschlossen haben! Eine ziemliche Ernüchterung, auf die im Internet nicht sonderlich deutlich hingewiesen wird. Aber gut, in den restlichen 10% kann man sicher auch schöne Keramik finden und es galt ja, den hiesigen Brennofen zu bewundern.

Bevor man das eigentliche Töpferviertel erreicht, kommt man an einer Mauer mit lauter Katzenfiguren aus Keramik vorbei. Darunter sind ziemlich verrückte Stücke gewesen…

Die Superman-Katze, exklusiv in Tokoname!

Halb Katze, halb Maus – schwer zu sagen

Die Nippelkatzen, oder wie es offiziell betitelt wurde: „Die Stillung der Kinder“

An derselben Straße, aber eine Etage höher residiert die Tokonyan, eine riesige Katze, die den Geschäften von Tokoname Glück (und Geld!) bringen soll. Diese Manekineko genannte Katzenfigur findet man überall in Japan, oft an Ladeneingängen, aber meist nicht in der Größe.

Kopf einer riesigen Manekineko – einer Katze, die Glück und Wohlstand herbeirufen soll

Die Ausstellung von Morishita Munenori 森下宗則

Das erste Highlight, dass Tokoname in meiner Wertschätzung trotz geschlossener Läden deutlich angehoben hat, war ein kleines Atelier ganz am Anfang, in der Morishita Munenori ausstellte. Die ausgestellten Stücke waren zwar nicht gerade für den kleinen Geldbeutel gedacht (pro Stück 3000 Yen aufwärts), aber bei der Schönheit ganz und gar gerechtfertigt.

Eingang zum Atelier

Ausstellungsstücke Atelier Morishita Munenori – Tassen im Vordergrund jeweils 3000 Yen, etwa 23 Euro

Kleinere Trinkschale für Matcha mit Holzuntersetzer, 5000 Yen, etwa 38 Euro

Besonders aufgefallen sind mir die Tassen mit Goldring und eine relativ kleine Chawan. Für die Tassen hat Herr Morishita sogar schon Auszeichnungen bekommen. Wegen den Preisen haben wir aber erstmal nichts gekauft und sind weitergegangen. Ach ja, der Herr Morishita war auch sehr redselig, und mit „sehr redselig“ meine ich „sehr sehr redselig“.

Durch die engen Gassen von Tokoname

Da es Montag war und die meisten Läden geschlossen waren, konnte man die Anzahl der Besucher an einer Hand abzählen (scheint wohl doch irgendwo präsent im Internet zu stehen). Der ausgeschilderte Spazierpfad durch Tokoname führt durch enge Gassen mit teilweise skurrilen Keramiken.

Der berühmte „Keramikweg“

Darf nirgendwo fehlen: der Tanuki

Damit man nicht vergisst, dass es hier vor allem auch Teegeschirr gab…

Der große Brennofen von Tokoname

Dass die meisten Läden geschlossen hatten, drückte die Stimmung natürlich etwas. Dafür war eine der Sehenswürdigkeiten, der große Brennofen, relativ frei von Touristen.

…das Ende?

Wir hatten fast das Ende des Spazierpfads erreicht und ich hatte noch rein gar nichts gekauft, was mir langsam Sorgen bereitete. Da fahre ich extra zu einer Töpferstadt und komme mit leeren Händen zurück? Das kann nicht angehen!

Zwischenrettung: das große Einkaufszentrum und das Kôro

Am Ende des Spazierpfads wurde man noch in eine zentrale Verkaufsstelle für Tokonamekeramik gelotst. Vor dem Eingang konnte man eine Badewanne aus Keramik sehen, die oft für Außenbereiche unter freien Himmel (露天風呂) benutzt werden.

Die Stücke innen reizten mich aber auch nicht wirklich und ich machte mir nun wirklich ernsthafte Sorgen. Kurz vor der Aufgabe entdeckten wir aber noch einen interessanten Teilaspekt der japanischen Teekultur, bzw. wir sahen es nicht zuerst, wir rochen es zuerst. Die Rede ist von einem sogenannten kôro (香炉), einer Art kleiner Kamin, um Teeblätter zu erwärmen und damit einen sehr angenehmen Teeduft zu verbreiten. Gekauft!

Chakoro

Aber eine Rückkehr nur mit einem kleinen Kamin, der Tee verbrennt? Geht auch gar nicht…

Endgültige Rettung: Morishita Munenori!

Der Entschluss stand daher schnell fest: zurück zum Atelier mit den Stücken von Morishita Munenori und die Chawan und eine Tasse mit Goldring kaufen! Qualität hat nun einmal seinen Preis, das sollte man auch mal würdigen – auch als Student.

Zurück im Atelier war Herr Morishita etwas überrascht, uns wiederzusehen, aber erfreut. Noch mehr freute er sich bestimmt darüber, dass wir jetzt doch noch ein paar mehr Stücke kauften. Zunächst wollten wir nur eine Tasse kaufen, aber als Herr Morishita hörte, dass ich die Tasse zusammen mit meiner Freundin benutzen wollte, verschwand er in ein Hinterzimmer. Als er wiederkam, hielt er zwei weitere Tassen der gleichen Art in der Hand, quasi Stücke, die er wegen kleiner Fehler aussortiert hat und nicht verkaufen kann. Überraschend wollte er uns eine davon schenken, was wir sehr dankbar annahmen. Unnötig zu sagen, dass man kaum einen Unterschied zwischen den Tassen sah. Japaner eben…

Matcha in der neu gekauften Trinkschale

Stempel auf der Unterseite der Trinkschale: Munenori

Und als wäre das alles noch nicht genug, fertigte er uns noch Kalligrafien an. Vermutlich hat auch unsere traurige Geschichte von geschlossenen Läden zu seiner spendablen Haltung beigetragen, denn wie er selbst sagte, „um uns schöne Erinnerungen zu bescheren“.

tokoname yakimono sanpomichi / de no / kansha no deai / heisei nijūyon nigatsu hatsuka / munenori
Dankbare Begegnung am Tokoname Töpferweg, 20. Februar 2012. Gez. Munenori

hana – Blume

kaze – Wind

sakura – Kirschblüte

Munenori und roter Stempel

Um die Sache komplett abzurunden, klärte uns Herr Morishita noch darüber auf, dass die typische Keramikfarbe von Tokoname eigentlich rot sei. Der dunkle Grauton, den man sehr oft sieht, ist eigentlich was besonderes, aber nicht der Standard.

Übrigens: Herr Morishita wird ab dem 07. März im Einkaufszentrum Daimaru in Kyoto seine Stücke ausstellen und verkaufen. Natürlich spreche ich hier eine Empfehlung aus!

Die Ausbeute

Tada!

  • Zwei Geschirrtücher weiß (Munenori)
  • Matchaschale mit Untersetzer aus Holz (Munenori)
  • Zwei Tassen (Munenori)
  • Kalligraphien und Postkarten (Munenori)
  • Chakoro (Einkaufszentrum)

Glücklich kehrten wir zum Bahnhof zurück, um den Weg zur nächsten Station des Tages anzutreten, dem Schrein Atsuta. Dazu aber mehr im folgenden Teil 2.

Videos

Für Zugfans gibt es ein kleines Video, in dem man auch gut das Stadtbild einer japanischen Stadt sehen kann. Die Zugfahrt von der Station Kanayama bis irgendwo auf halber Strecke nach Tokoname.

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Begeisterter Kyoto-Insider und ambitionierter Amateurfotograf mit Vorliebe für Tempel und Schreine.
Interessen: Kyoto als Erkundungsgebiet, Tee- und traditionelle Kultur in Japan, Erfahrungen in Schriftform pressen
Sportlich: Kendo – das japanische Fechten