Ausflug in die Teeprovinz Wazuka (Kansai) im Mai

京都府 和束町への遠足

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Ausflug in die Teeprovinz Wazuka (Kansai) im Mai

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Schon seit der Autor von Japan-Kyoto das erste Mal 2009 in Japan war, gab es den starken Wunsch, japanische Teefelder und -plantagen zu besichtigen. In Kyoto selber gibt es leider keine Teeplantagen und auch in der naheliegenden Teestadt Uji gibt es nur einzelne, kleine Teefelder, die aber fast immer für höherwertigen Tee bestimmt und daher verdeckt sind. Die typischen Ansichten der Teefelder blieben verbogen – bis zum Mai 2016! Da ging es direkt zur berühmteste Teeprovinz von ganz Japan: Wazuka.

Der Ausflug fand in der Erntezeit am 23. Mai 2016 statt.

Reisegruppe Wazuka

Auch wenn ein Ausflug zu den Teefeldern schon sehr lange auf der To-Do-Liste stand, ist dieser Ausflug einem Zufall zu verdanken. Ausschlaggebend war die neue Bekanntschaft mit Tyas Huybrechts, der als Tangetsu-an Sōsen als Teelehrer der Teeschule Kobo Enshu arbeitet. Unter der Marke The Tea Crane bietet Tyas u.a. Workshops und Einführungen in die Teekultur an, betreibt sein eigenes Teegeschäft, bietet Übersetzungsservices an und obendrauf noch Führungen in die Teeregionen um Uji. Dazu wurde schließlich eingeladen und zusammen mit einem weiteren Teekenner, Daijiro Fujita, ging es zu den saftig grünen Teefeldern in Wazuka.

Tea fields in Wazuka, Japan

Die komplette Reisegruppe mit Tyas Huybrechts (2.v.r.)

Tea fields in Wazuka, Japan

…und Daijiro Fujita (2.v.r.)

Tea fields in Wazuka, Japan

Teefelder in Wazuka

JA Kyoto Yamashiro

Nachdem die Reise per Auto vom Hauptbahnhof in Kyoto startete, war der erste Stop ein Teegeschäft des Vereins JA (Kyoto) Yamashiro in der Stadt Ujitawara. Leider ohne Bilder, da ich zu dem Zeitpunkt die wahre Bedeutung des Geschäfts noch nicht abschätzen konnte. Da ich davon ausging, im Verlauf des Tages direkt bei den Teebauern noch jede Menge Tee zu kaufen (was sich auch bewahrheitete), verzichtete ich hier auf den Handel. Großer Fehler! Aber wie der Zufall es so wollte, konnte meine Frau hier nicht widerstehen und griff sich eine Packung Shincha. Dadurch wurde auch ich später schließlich auf den Tee dieses Vereins aufmerksam, der speziell Tee von verschiedenen Teebauern aus Wazuka kauft und damit seine Grüntees zusammenstellt.

Der Kokyu Sencha von JA Yamashiro ist heute meine absolute Preis-Leistungs-Empfehlung unter den Japantees: mit etwa 900 Yen sehr günstig (Online-Shop), liegt er geschmacklich aber nur knapp unter den doppelt so teuren Tees (Zuiun und aufwärts) von Ryuoen, mein Lieblingsteegschäft in Kyoto. Der Kokyu Sencha von JA Yamashiro ist mein Daily Runner in den heimischen vier Wänden geworden, ist in Deutschland aber leider noch nicht zu finden.

Links: Tee von JA Kyoto Yamashiro. Rechts: Tee von Ryuoen.

Teeproduktion bei Imanishi

Nach einem weiteren Zwischenstop im lokalen Café ging es zur Fabrik von Imanishi, wo uns die Ehefrau des Inhabers und aktive Mitarbeiterin durch die Anlage führte. Insgesamt sah alles recht ähnlich wie bei Marukyu Koyamaen aus.

Tea manufactory in Wazuka, Japan

Kein Matcha, aber jede Menge Teepflanzenstaub überall in der Fabrik

Anschließend ging es raus auf die Plantagen – etwas, worauf ich es schon seit Jahren abgesehen hatte: eigene Bilder von japanischen Teeplantagen! Und die gab es hier wirklich reichlich.

Tea fields in Wazuka, Japan
Tea fields in Wazuka, Japan

Die umhüllten Teepflanzen werden später zu Kabusecha

Tea fields in Wazuka, Japan

Maschinell unterstützte Ernte der Teeblätter

Eine Sache hat mich aber stutzig gemacht: überall standen Masten mit Ventilatoren an deren Spitze. Wofür dienen diese Ventilatoren?

Tea fields in Wazuka, Japan

Mein erster Gedanke war, dass die Ventilatoren die Pflanzen im Sommer kühlen sollen (die Hitze und Sonneneinstrahlung war im Mai schon enorm…). Es ist aber genau andersherum! Die Ventilatoren werfen im Winter wärmere Luft, die nach oben steigt, wieder zurück auf die Pflanzen, damit diese nicht einfrieren.

Mittagssen bei Terasu Wazuka

Nach einer trotz der Mittagshitze angenehmen Wanderung durch die Teefelder gab es eine Pause in der Speisehalle Terasu Wazuka. Dort wurde uns ein Bento serviert, dessen Zutaten zum Großteil aus Teeblättern, teilweise sogar aus Matcha, gemacht wurde. Die Bento werden von der „Koicha Group“ gemacht, in der die Hausfrauen aus der Umgebung aktiv sind und u.a. Besuchern solche Bento zubereiten. Dazu gab es herrlich gekühlten Grüntee in einer speziellen Flasche, die oben im Deckel einen Filter integriert hat. So kann man die Blätter direkt in der Flasche ziehen lassen, ohne dass man nachher alles im Glas hat. Die Flasche von der Firma Hario gibt es hier überall im Gebiet für etwa 2000 Yen zu kaufen in verschiedenen Farben. Etwas günstiger und mit mehr Infos auch auf dem japanischen Amazon. Überraschenderweise auch als Import über das deutsche Amazon.

Matcha-Tofu, Sencha Dressing, Reis mit Tenchablättern u.m.

Die Glasflasche von Hario mit integrierten Sieb im Deckel für direkte Teeaufgüsse. Perfekt für den Sommer!

Da gerade Erntezeit war, bekam ich die Gelegenheit zum experimentieren: die Blätter, die zu Matcha weiterverarbeitet werden sollen, waren gerade frisch getrocknet. Diese Tencha genannten Blätter kommen normalerweise nicht in den Handel, aber nach dem ersten Aufgußexperiment kann ich auch sagen warum. Die Blätter enthalten noch relativ viel Flüßigkeit, was die Inhaltsstoffe ziemlich verwässert und den Aufguß mit Wasser sehr fade macht. Tencha ist also wirklich nur zur Weiterverarbeitung zu Matcha zu empfehlen, aber es war mal interessant, Tencha in die Hände zu bekommen. Man sieht auch sofort, dass es sich nicht um gewöhnlichen Grüntee handelt: die Blätter sind nicht gerollt und erinnern etwas an Frühstücksflocken. In der Flasche oben waren übrigens Tencha-Teeblätter – das war auch der Grund, warum das Thema Tencha überhaupt aufkam.

Tencha von Imanishi

Man verabschiedete sich, aber nicht, ohne noch vorher etwas Kabusecha aus der neuen Ernte zu kaufen. Name: Oku no Midori – das tiefe Grün. Es ging zum nächsten Teebauern!

Teeproduktion bei Sugimoto

Die nächste, etwas kompaktere Produktionsstätte, der wir einen Besuch abstatteten, war die von Herrn Sugimoto. Nach einer kurzen Führung durch die Anlage und anschließender Teeverkostung mit Geschichten zu „dies und jenes“ ging es auf den kleinen Pickup-Truck von Sugimoto auf dessen Teefelder.

Wazuka Sugimoto

Fabrikanlage von Sugimoto

Wazuka Sugimoto

Begleitendes Bildmaterial zu „dies und jenes“

Tea fields in Wazuka, Japan

Die Truppe kurz vor der Abfahrt. Ganz rechts: Herr Sugimoto

Die letzte Episode des Besuchs war es, dass der sehr freundliche Herr Sugimoto uns sogar eine ganze Teepflanze schenken wollte! Aber das hätte der deutsche Zoll sicher nicht gerne gesehen, es wird wirklich Zeit für ein Haus in Kyoto mit Garten. Als Bäumchenersatz überreichte man uns dann zwei Packungen Kabusecha, dessen Name? Oku no Midori! Das ist ab jetzt mein generischer Name für alle Kabusecha. ;-)

Tea fields in Wazuka, Japan

Die Teefelder hinter Sugimotos Fabrik

Mechanisches Rollen der Teeblätter

Noch ein kurzes Video von einer der Rollmaschinen in Sugimotos Fabrik.

Bilder Teefelder Wazuka

Karte

Was Wazuka sonst noch so anzubieten hat, erklärt Wazuka selber in diesem Reiseführer-PDF auf Englisch.

Die meisten Bilder sind auch auf Flickr zu finden.

Begeisterter Kyoto-Insider und ambitionierter Amateurfotograf mit Vorliebe für Tempel und Schreine.
Interessen: Kyoto als Erkundungsgebiet, Tee- und traditionelle Kultur in Japan, Erfahrungen in Schriftform pressen
Sportlich: Kendo – das japanische Fechten

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