In Deutschland mag es nur hier und dort mal auffallen. Wer sich in Japan aber für einen Matcha in einen Teeladen begibt, der etwas auf sich hält, der wird oft von der Menge an angebotenen Matchas erschlagen. Nicht selten stehen dann mehr als 20 Matchas zur Auswahl mit teils illustren Namen wie “Das Weiß der Ahornbäume”, “Wolkenkranich” oder “Weiches Licht”. Und natürlich schraubt sich der Preis auf einer Seite der Liste ordentlich nach oben.
Da stellt sich natürlich die Frage, ob sich der teils deutliche Preisunterschied auch im Genuß niederschlägt. Dieser Frage wird hier nun nachgegangen, wobei betont werden sollte, dass es sich hier um einen Vergleich handeln wird, nicht um ein Tasting. Im Vergleich stehen die Matcha-Tees ①Aoarashi, ②Yugen und ③Unkaku. Letztere zwei Matcha wurden mir mir freundlicherweise von den neuen Inhaber von Gruener-Tee-Koyamaen.de – Alexander Rohrer und Tämer El Saadany – kostenlos zur Verfügung gestellt. Alle drei Matcha sind von der Teefirma Marukyu Koyamaen, die in Uji (Japan) ansässig ist.
①青嵐 ②又玄 ③雲鶴

JAKYO Teenavigation
Japanischer Tee im Überblick: Kultur, Unterschiede und Anbau
※ Zubereitung: Matcha | Zubereitung: Bancha, Sencha, Gyokuro | Kalte Zubereitung: Reicha
※ Herstellung: Matcha / Gyokuro | Herstellung: Sencha / Bancha
※ Teeläden in Kyoto, Uji und Umgebung | Japanischen Grüntee in Deutschland kaufen
Die Matcha im Detail
Das Teilnehmerfeld für diesen Versuch setzt sich im Detail folgendermaßen zusammen:
- je 40g Dose, Q1 = niedrigste Qualität
- Aoarashi – Q1 – 15,50€
- Yugen – Q4 – 27,00€
- Unkaku – Q7 – 52,00€
Aoarashi und Yugen sind dabei laut Etikett nur für Usucha geeignet, während Unkaku auch für Koicha empfohlen wird. Matcha, die explizit für Koicha beworben werden, müssen in der Regel süßlicher sein (oder andersherum: weniger bitter) — denn bei Koicha wird sehr viel Matchapulver auf wenig Wasser verwendet, und ein fertiger Koicha ist nicht weit von einem Matcha-Pudding entfernt. Die Qualität muss also stimmen. Den Unterschied sieht man schon an der Preisdifferenz vom Unkaku zum Aoarashi: ganze 36,50 Euro.
Der Test
Optisch
Im optischen Vergleich nehmen sich die drei Matcha nicht viel. Allein Unkaku fällt durch ein etwas helleres Grün auf.



Auch in der Schale kann man nur schwerlich von großen Unterschieden sprechen.



Geschmacklich
Der Aoarashi ist ein guter Basismatcha, auch wenn man beim günstigen Yen-Preis zunächst was anderes vermuten könnte. Aber in Japan ist Einstiegsmatcha beides zugleich: günstig und qualitativ. Dafür sticht die Einstiegsklasse aber mit wenig Nuancen hervor. Man bekommt exakt das, wofür man bezahlt: den Matcha-Basisgeschmack.
Beim Yugen sieht die Sache schon etwas anders aus. Hier kommt ein leicht nussiger Geschmack zum Vorschein und insgesamt ist der allgemeine Geschmack etwas stärker. Von der Bitterkeit oder Herbe ähneln sich Aoarashi und Yugen am meisten und sind im Vergleich zum Unkaku die eher kräftigeren Matcha.
Im Unkaku kommt der nussige Geschmack auch präsent zum Vorschein, schmeckt aber deutlich milder als Aoarashi und Yugen. Von allen drei Matcha schmeckt Unkaku am “weichesten”.
Fazit
Den Geschmack von Matcha in Sprache auszudrücken war schon immer eine Sache für sich, daher wurde der Vergleich zur großen Frage des Artikels gemacht. Wer eher simplen Matcha bevorzugt, der wird auch schon mit Aoarashi hervorragend klar kommen. Möchte man hingegen bestimmte Nuancen genießen, bleibt einem nichts anderes übrig als sich durch die angebotenen Matcha zu trinken und seinen Geschmack zu finden. Die Preise sagen relativ wenig über bestimmte Geschmackseigenschaften aus. Worauf die Preise aber hinweisen ist der Grad der Milde bzw. Bitterkeit. Wer einen Koicha zubereiten möchte, der sollte zu den normalerweise hochpreisigeren und speziell dafür hergestellte Matcha greifen, ansonsten wird es eine ziemlich bittere Angelegenheit. Es gilt das Sprichwort: “Aus Koicha-Matcha wird immer ein guter Usucha, aber aus Usucha-Matcha kein guter Koicha”.
Um jetzt auf das Verhältnis zwischen Preis und “lohnt es sich?” einzugehen: Je nach persönlichen finanziellen Mitteln kann man in Sachen Usucha gerne mal zu teueren Matcha greifen.
Wer aber nur Usucha zubereiten möchte, für den lohnen sich teure Matcha wie Unkaku eher nicht, auch wenn man damit geschmacklich sicherlich keinen Fehler begeht. Anders herum gilt aber, wer sich einen Koicha zubereiten möchte, sollte keinesfalls zum Aoarashi greifen. Für Koicha braucht es eine gewisse Qualität, bevor zu zum Genuss wird.

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