tojiin

Selten hat ein Bild soviel Hintergrundinformationen oder eine Geschichte, dass man diese unmöglich in den Bildtitel oder -beschreibung einbauen kann. Dieses Bild hier – im Tempel Tojiin in Kyoto aufgenommen – ist so ein Bild.

Also, was steckt alles in diesen Bild?

  1. … ein typischer japanischer Tempelgarten.
  2. … eine Ruhefläche, die gleichzeitig mit roten Wolldecken als Chaseki ausgewiesen ist.
  3. … mit Hilfe eines Models Ausstrahlung von Ruhe und Entspannung (abgesehen vom Fersensitz vielleicht, jap. Seiza…)
  4. … die Antwort auf die Frage, warum es von Vorteil sein kann, wenn ein Tempel nicht im Reiseführer steht.

Erläuterungen

Zu 1. – japanischer Tempelgarten
Hier muss man nicht viel erklären, allerdings sei der Hinweis gestattet, dass man auf dem Bild nur etwa die Hälfte des Tempelgartens sehen kann. Zugegebenermaßen den schöneren Teil, denn logischerweise will man genau jenen Teil den Gästen präsentieren.

Zu 2. – Chaseki
In Tempeln, Schreinen und Parks (aber nicht nur dort) kann man sehr oft diese roten Wolldecken sehen, die meist auf Tatamimatten oder über größere Sitzbänke ausgebreitet sind (wie zum Beispiel auf diesen Bild im Ginkakuji-Tempel zu sehen). Diese Matten zeigen in 99% der Fälle an, dass es sich um Chaseki1)Chaseki: 茶席 chaseki – Ort zum Teetrinken handelt, einen Platz zum Tee trinken (meistens Matcha). Es sein, dass man sich hier nur niederlassen darf, wenn man wirklich Tee bestellen möchte. Hier im Tojiin war dies aber nicht der Fall.

Zu 3. – Bildkomposition
Schon zur Entstehungszeit dieses Bildes im Jahr 2010 wollte ich seit längerer Zeit ein eigenes Bild von diesen bekannten Szenario machen: Seitlich von hinten eine Person fotografieren, die im Seiza sitzend einen japanischen Garten genießt. Wohlwollende Faktoren im Tojiin: wenig Besucher, japanische Begleitung anwesend, Tatamiraum mit roten Wolldecken mit Blick auf einen japanischen Garten. Erfolg!

Zu 4. – Reiseführer
Der wichtigste Punkt. Meine Begleitung und ich haben den Tojiiin aufgesucht, nachdem wir uns im Ryoanji-Tempel mit zahlreichen anderen Besuchern Ellbogen an Ellbogen durch die Anlage quetschen mussten. Im Tojiin allerdings waren nur eine Handvoll Besucher anwesend, obwohl der Tojiin gerade mal etwa 100m südlich vom Ryoanji gelegen ist und ebenfalls sehr schön ist! Der Unterschied allerdings: Ryoanji steht in so ziemlich jeden Touristenführer, Tojiin nicht. Ein Glücksfall in dieser Situation.

Dieses Bild auf:
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Teil des Google+ Albums Japan Portfolio – Best of

PS: Neue Artikel zu jeweils dem Tojiin- und Ryoanji-Tempel sind bereits in Arbeit, da der alte Artikel von 2009 hoffnungslos den Mühlen der Zeit zum Opfer gefallen ist.

Begeisterter Kyoto-Insider und ambitionierter Amateurfotograf mit Vorliebe für Tempel und Schreine.
Interessen: Kyoto als Erkundungsgebiet, Tee- und traditionelle Kultur in Japan, Erfahrungen in Schriftform pressen
Sportlich: Kendo – das japanische Fechten

Fußnoten   [ + ]

1.Chaseki: 茶席 chaseki – Ort zum Teetrinken