Tsurezuregusa

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Tsurezuregusa – 55. Abschnitt – komplett

Aktualisiert: 13. Oktober 2016| 2016-10-13T22:59:55+00:00 Veröffentlicht: 19. Juli 2010|Thema: Sehenswürdigkeiten|Tags: , |

Zur Einleitung

Was die Bauweise angeht, soll der Sommer das Grundprinzip vorgeben. Im Winter kann man überall wohnen. Aber bei großer Hitze in einem schlechten Haus zu leben ist unerträglich[1].

Stehendes Gewässer verbreitet kein kühlendes Gefühl.  Seichtes, fließendes Gewässer kühlt das Gemüt bei weitem mehr. Wenn man die kleinen Dinge betrachtet, dann wirken Häuser mit Schiebetüren heller als Häuser mit Fenster. Ist die Decke zu hoch, wirkt der Raum im Winter kühl und trotz Licht bleibt der Raum eher dunkel.

Unter den Leuten ist man sich einig: „Was den Hausbau betrifft: errichtet man  ein Zimmer ohne Zweck, ist dieses Zimmer trotzdem interessant, denn man weiß nie, wofür man dieses Zimmer später dann brauchen wird.[2]

Fußnoten

  1. Im Winter kann man sich noch eine weitere Jacke anziehen. Aber im Sommer im japanischen 11. Jahrhundert ohne Klimaanlage?
  2. Ein Zimmer ohne vorher festgelegten Zweck kann man mal Gästezimmer, mal als Karaokezimmer etc benutzen.

原文

家の作りやうは、夏をむねとすべし。冬は、いかなる所にも住まる。暑き比わろき住居は、堪へ難き事なり。 (mehr …)

Begeisterter Kyoto-Insider und ambitionierter Amateurfotograf mit Vorliebe für Tempel und Schreine.
Interessen: Kyoto als Erkundungsgebiet, Tee- und traditionelle Kultur in Japan, Erfahrungen in Schriftform pressen
Sportlich: Kendo – das japanische Fechten

Tsurezuregusa – 10. Abschnitt (ohne den letzten Absatz)

Aktualisiert: 13. Oktober 2016| 2016-10-13T22:59:55+00:00 Veröffentlicht: 12. Juli 2010|Thema: Sehenswürdigkeiten|Tags: , |

Zur Einleitung

Ein Haus, das mit seiner Umgebung harmoniert und einen angenehmen Eindruck hinterlässt, ist eine faszinierende Sache – auch wenn es nur ein zeitweiliger Aufenthaltsort ist.

Dort, wo die feinen und kultivierten Menschen ruhig und gelassen leben, kann man beobachten, dass sogar die hereinfallenden Mondstrahlen noch tiefer ins Herz eindringen. Auch wenn einem Haus der Zeitgeist und die Pracht fehlt, fühlt sich mein Herz gerade dann angenehm berührt, wenn ich altes Gehölz in einem Grundstück sehe; oder wenn ich durch einen Zaun hindurchschauen kann und einen Garten sehe, dem man die Arbeit des Gärtners nicht ansieht und in ein Haus, in dem die Gegenstände sorglos herumliegen und Geborgenheit vermitteln.

Was aber hässlich und uninteressiert ist: wenn viele Zimmermänner ein Haus bis zum Nimmermehr verziert haben und seltene, kostbare Gegenstände aus China und Japan endlos aneinander gereiht bis hin zu einem Garten, der mit Pflanzen regelrecht zugestopft ist, dass es unnatürlich aussieht.

Wie soll man in so etwas sein Leben verbringen können? Ein Blick genügt und man stellt sich vor, wie dieses Haus in Rauch vergeht.[1]

Fußnoten

[1] In Japan traut man sich nicht, diese Auffassung zu verbreiten, aber das ist eindeutig als Aufruf zur Brandstiftung gemeint.

原文

家居のつきづきしく、あらまほしきこそ、仮の宿りとは思へど、興あるものなれ。 (mehr …)

Begeisterter Kyoto-Insider und ambitionierter Amateurfotograf mit Vorliebe für Tempel und Schreine.
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Tsurezuregusa – 137. Abschnitt – 3. Absatz

Aktualisiert: 13. Oktober 2016| 2016-10-13T22:59:57+00:00 Veröffentlicht: 5. Juli 2010|Thema: Sehenswürdigkeiten|Tags: , |

Zur Einleitung

Kann man sich an den Dingen, besonders am Mond und den Kirschblüten, nur dann erfreuen, wenn man sie mit dem bloßen Auge betrachtet? Faszinierend ist doch die hoffnungsvolle Erwartung, im Frühling gerade dann an Kirschblüten zu denken, wenn man sich im Haus befindet. Oder in einer herbstlichen Mondnacht gerade dann an den Mond zu denken, wenn man sich im Schlafzimmer befindet.

Was den kultivierten Menschen angeht, wird man es nicht erleben, wie er sich ausschweifend an etwas erfreut. Seine Art ist es, sich äußerlich zurückhaltend den Dingen zu widmen. Doch gerade der Bauerntölpel zeigt maßlos seine Gefühle. Er beugt sich ganz herunter zu den Blumen und glotzt sie an, betrinkt sich, schmiedet Vers um Vers und bricht am Ende gar noch herzlos einen Zweig ab. Im Sommer tunkt er Hände und Füße in eine Quelle, im Winter schreitet er durch eine unberührte Schneelandschaft und hinterlässt seine Fußabdrücke darin. Das bloße Betrachten reicht ihm nicht, um sich zu an etwas erfreuen.

原文

すべて、月・花をば、さのみ目にて見るものかは。春は家を立ち去らでも、月の夜は閨のうちながらも思へるこそ、いとたのもしうをかしけれ。 (mehr …)

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Tsurezuregusa – 137. Abschnitt – 2. Absatz

Aktualisiert: 13. Oktober 2016| 2016-10-13T22:59:57+00:00 Veröffentlicht: 28. Juni 2010|Thema: Sehenswürdigkeiten|Tags: , |

Zur Einleitung

Gerade der Anfang und das Ende der Dinge sind faszinierend. Ist bei der Liebe zwischen Männern und Frauen nur das glückliche Zusammensein ästhetisch wertvoll? Das Beisammensein schätzt man doch wohl gerade erst durch das getrennt sein: An den Schmerz einer vergangenen Liebe denken; einen leeren Schwur beklagen; eine lange Nacht alleine verbringen; an seine Liebschaft in der Ferne denken; sich nach dem gemeinsamen Haus aus der Vergangenheit sehnen. Wird unser Herz mehr durch den Mond ergriffen, auf den wir gewartet haben und der kurz vor Morgendämmerung noch in Erscheinung tritt, als durch den Mond einer wolkenlosen Nacht, dessen Strahlen weit in die Ferne schweifen. Was ruft ein innigeres Gefühl hervor als das Mondlicht, das im tiefen Wald grünlich durch die Baumwipfel schimmert oder der Mond, der sich bei leichten Regen ab und an hinter einer Wolkenbank verbirgt. Gerade die benetzt scheinenden Blätter eines Kastanienbaums, die im Mondlicht erstrahlen, rufen ein tiefes Gefühl hervor. Dann wünscht man sich einen Freund herbei, der dieses Gefühl auch kennt und denkt sehnsüchtig an die Hauptstadt, in der dieser Freund verweilt.

原文

万の事も、始め・終りこそをかしけれ。男女の情も、ひとへに逢ひ見るをば言ふものかは。 (mehr …)

Begeisterter Kyoto-Insider und ambitionierter Amateurfotograf mit Vorliebe für Tempel und Schreine.
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Tsurezuregusa – 137. Abschnitt – 1. Absatz

Aktualisiert: 13. Oktober 2016| 2016-10-13T22:59:58+00:00 Veröffentlicht: 14. Juni 2010|Thema: Sehenswürdigkeiten|Tags: , |

Zur Einleitung

Sind die Kirschblüten nur in voller Blüte, der Vollmond[1] nur bei wolkenlosen Himmel betrachtenswert? Bei Regen sehnsüchtig an den Mond denken oder nicht erfahren, wie der Frühling vergeht, während man sich zurückgezogen in seinem Raum befindet[2], beinhaltet ebenso eine tiefe ästhetische Wirkung. Wahrhaft sehenswert sind doch gerade die Zweige, die kurz vor der Blüte stehen und besonders Gärten mit Blütenblättern, die bereits zu Boden gefallen sind. Was Vorworte in Gedichten betrifft, ist „Ich ging auf eine Blütenschau und die Blütenblätter waren bereits heruntergefallen“ oder „Ich war verhindert und konnte nicht gehen[3]“ etwa minderwertiger als „Ich sehe Kirschblüten“? Herabgefallene Blütenblätter; Der Mond, der gerade im Westen untergeht – über solche Dinge zu trauern, ist allzu verständlich. Doch scheinen vor allem ungehobelte Menschen sich auf folgende Weise zu äußern: „An diesem und jenen Ast sind die Blüten bereits herabgefallen – jetzt gibt es  nichts mehr zu sehen“.

Fußnoten

  1. Genauer ist damit der Vollmond am 15.8. gemeint. Zu der Zeit gilt der Vollmond in Japan am schönsten.
  2. Wörtlich im Text wird das Verb für „heruntergelassen“ benutzt, womit Bambusvorhänge gemeint sind. Wenn diese herunterhängen, bekommt man von der Welt draußen nichts mit.
  3. Zur Blütenschau.

原文

花は盛りに、月は隈なきをのみ、見るものかは。雨に対ひて (mehr …)

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Sportlich: Kendo – das japanische Fechten

Tsurezuregusa – Sommer 2010 – Einleitung

Aktualisiert: 13. Oktober 2016| 2016-10-13T22:59:58+00:00 Veröffentlicht: 11. Juni 2010|Thema: Sehenswürdigkeiten|Tags: , |

Yoshida Kenko

Yoshida Kenkô – 吉田兼好, 1283–1350

Das Tsurezuregusa (徒然草) von Yoshida Kenkô gilt als eines der Juwelen der klassischen japanischen Literatur. Es ist eines der repräsentativen Werke für das Genre zuihitsu (随筆), was man frei mit „von der Leber weg schreiben“ übersetzen kann. Es handelt sich also um eine Sammlung von Essays und kein Werk, was lange im voraus geplant wurde. Entstanden ist das Tsurezuregusa im Zeitraum von 1330 bis 1332. Yoshida selbst war buddhistischer Mönch und, natürlich, Author.

Im Rahmen des Seminars Bungo 2 übersetzen wir derzeit den 137. Abschnitt, welcher aus größeren Absätzen besteht. Yoshida selber hat keine Überschriften vorgegeben. Manche nennen diesen Abschnitt den Anfang einer Muffelorgie, eine japanische Buchausgabe betitelt es literarischer: „始めと終わりの美学“ – „Die Ästhetik von Anfang und Ende“. Wenn wir einen Absatz fertig übersetzt haben und ich zufrieden mit der Übersetzung bin, werde ich ihn hier veröffentlichen. Da wir schon in der Mitte des Semesters sind, wird der erste Absatz in Kürze hier erscheinen – ich muss nochmal drüberlesen.

Den Originaltext samt Übersetzung ins moderne Japanisch kann man hier finden.

Update 09.07.10

Das Semester ist nun so gut wie rum und nächste Woche steht nur noch die Klausur an. Wir haben nicht den ganzen 137. Abschnitt übersetzt – der Rest war wohl nicht so weltbewegend. Stattdessen haben wir den 10. Abschnitt (ohne den letzten Absatz) übersetzt und den kurzen 55. Abschnitt komplett. Was noch nicht erschienen ist, wird die nächsten Wochen jeweils am Montag erscheinen.

Begeisterter Kyoto-Insider und ambitionierter Amateurfotograf mit Vorliebe für Tempel und Schreine.
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