Heute ist der 5. Oktober, ein regnerischer Tag. Die letzten zwei Jahre war die erste Oktoberwoche die Zeit, in der ich nach Deutschland zurückgeflogen bin.  2009 war es der 01. Oktober, 2010 der 05. Oktober. Daher ist es für mich ein etwas komisches Gefühl, dass ich momentan nicht im Flieger sitze, sondern immer noch am Anfang meiner Zeit in Japan bin. Zeit für ein kleines Resumé!

Als ich am 15. August angekommen bin, war es natürlich super heiß, wie immer um diese Zeit. Allerdings gab es diesen Spätsommer auch viel Regen, sogar zwei starke Taifune sind an Kyoto vorbeigezogen. Seit Anfang Oktober ist das Wetter deutlich abgekühlt, Jacke ist Pflicht – die letzten zwei Jahre war es immer noch sehr heiß um diese Zeit.

Mit meiner Wohnung bin ich sehr zufrieden. Der nächste Conbini ist zwar erstaunlicherweise relativ weit weg, aber innerhalb eines 600 Meter Radius habe ich den Nashinoki-Schrein (Wasser), Rozanji-Tempel, zum einkaufen Fresco und Liquor Mountain. Mit dem Gosho auch direkter Zugang zu einer großen Parkfläche mitten im Herzen Kyotos. Quasi direkt vor der Tür eine Bushaltestelle, mit der ich problemlos zum Ausgehviertel Kawaramachi-Shijô, Sanjô und zum Kyoto Bahnhof komme, oder 20 Minuten zu Fuß. Etwa 750 Meter Fußmarsch, und ich kann in eine Bahn der Keihan-Linie einsteigen (Uji, Nara, Kyotanabe), 1200 Meter zur Kyoto Subway (Kyoto Station, Takeda, Nara, Kyotanabe). Die Universität Doshisha, das Dojo Butokuden und die Urasenke sind mit dem Fahrrad schnell und bequem zu erreichen. Ach ja, der Kamogawa-Fluss ist auch quasi um die Ecke, mit seinen breiten Ufern prima zum entspannen.

Die Amtsgänge konnte ich relativ gut überstehen, vor allem dank japanischer Hilfe, der ich vor allem beim  Abschließen der Krankenversicherung und beim Öffnen eines Bankkontos sehr dankbar war.

Die Einführungsveranstaltungen für die Nichibun-Studenten der Universität waren ein Witz. Wer nicht schon relativ gut japanisch verstehen konnte (~50%), der wurde mit einem Minimum an Englisch abgespeist, in dem alles Wichtige ausgelassen wurde. Zum Glück sah alles aber nur komplizierter aus als es dann tatsächlich war – aber das musste man erstmal rausfinden. Inzwischen hat der Unterricht auch angefangen und mit Manita, Suzuki, Satô und Matsumoto habe ich sehr gute Lehrer erwischt. Bei Suzuki muss man ein paar Abstriche machen, sie redet zwar verständlich, aber ununterbrochen und so schnell wie ein Maschinengewehr – das ermüdet so richtig. Sie war zwar am Anfang eine Lehrerin, zu der ich eigentlich nicht wollte (erster Eindruck), aber in der ersten Stunde erzählte sie von sich, wie sie gerne Teetassen sammelt und Abends gerne Alkohol trinkt. Ich musste meinen ersten Eindruck revidieren.

Interessant ist das Niveau meines Kurses. Mit Level 5 bin ich offziell in „Mittelstufe: obere Hälfte“ gelandet, aber das Niveau scheint zwischen den einzelnen Teilnehmern deutlich zu schwanken. Das fing schon bei den Selbstvorstellungen an, bei denen teils wichtige Floskeln vergessen wurden, oder beim halbwegs flüssigen Lesen. Zur Verteidigung muss man aber sagen, dass viele wohl das erste Mal in Japan sind und dementsprechend gehemmt bzw. ungeübt sind – bei meinem ersten Mal in Japan war ich sicherlich auch nicht besser.
Ich habe den Vorteil, dass wir ein Lehrbuch verwenden, dass ich an der Doshisha bzw. auch in Tübingen schon durchgearbeitet habe. Allerdings würden mich meine Testergebnisse vom Einstufungstest interessieren. Insgesamt bin ich aber zufrieden mit dem Unterricht, kann ich doch ein relativ hohes Sprachniveau noch einmal vertiefen und auf eine solide Basis stellen, bevor es dann wirklich ans Eingemachte geht, wenn ich mich an das JLPT Level 1 wage.
Erstaunlicherweise werden wir wir im Unterricht bzw. bei wöchentlichen Tests nicht mit aktiver Kanjischreibung gequält. So gut wie alle Texte haben bei schwierigen Kanji Furigana und der wöchentliche Kanjitest besteht nur aus Abfrage der Kanjilesungen im Text, den wir momentan lesen. Aktiv schreiben müssen wir wohl erst im größeren Test in der Mitte des Semesters. Insgesamt also noch relativ angenehm.

Im Kendo-Alltag bin ich leider immer noch nicht angekommen. Seit meiner Ankunft konnte ich nur zwei Mal trainieren, dazu noch eine Unterrichtseinheit im Übungsleiterunterricht von der Doshisha. Vor meinem ersten Dan Mitte September konnte ich sogar nur einmal trainieren, aber zum Glück ist alles gut gegangen und ich kann mich nun offiziell am Anfang meiner Kendo-Karriere sehen. Die einzigen festen Termine mit Kendo sind derzeit das Samstagstraining im Kenrenkai (Kendo-Zirkel der Doshisha) und der Übungsleiterunterricht. Dazu wird wohl noch Training im Kendo-Club der Doshisha kommen, ins Butokuden möchte ich auch gehen und nach einem normalen Stadt-Dojo suche ich auch derzeit. Auf jeden Fall möchte ich meine Training auf 4-5 Einheiten pro Woche raufschrauben.

Begeisterter Kyoto-Insider und ambitionierter Amateurfotograf mit Vorliebe für Tempel und Schreine.
Interessen: Kyoto als Erkundungsgebiet, Tee- und traditionelle Kultur in Japan, Erfahrungen in Schriftform pressen
Sportlich: Kendo – das japanische Fechten