Schüttet in Deutschland jemand Wasser auf die Straße, handelt es sich meist um Schmutzwasser mit Ziel Kanalisation. In Japan aber hat der dort Uchimizu (打ち水) genannte Brauch aus der Edo-Zeit eine ganz andere Bedeutung mit sowohl praktischen Nutzen als auch ästethischen Wert.

Uchimizu

Uchimizu in einer engen Gasse
(c) *kabun*, Flickr

Uchimizu wird im Allgemeinen dazu verwendet, den Staub auf den Straßen niederzuhalten und in der Sommerhitze durch die Verdampfungswärme für kühle Luft zu sorgen – oder zumindest um für ein kühles und angenehmes Gefühl zu sorgen. Die tatsächliche Wirksamkeit der Kühlung ist etwas umstritten.

Wer das Wasser bei Uchimizu im traditionellen Rahmen verteilen möchte, der trägt dafür als Privatperson einen Yukata (geschäftlich: eher Kimono) und benutzt einen Eimer und eine Schöpfkelle aus Bambus.

Die besondere Ästhetik von Uchimizu kann man vor allem im alten Kyoto gut beobachten, wenn die Angestellten von Restaurants in der Abenddämmerung den Eingangsbereich ihres Geschäfts mit Wasser besprengen. Im heißen Sommer hat das natürlich die Funktion, den Feierabend angenehm kühl zu gestalten, aber ebenso spiegelt sich im nassen Boden auch das Licht, welches aus den Restaurants heraus scheint. Gerade in den älteren Vierteln von Kyoto sorgt dies für eine sehr schöne und einladende Atmosphäre aus Ästhetik und praktischen Nutzen.

Uchimizu in der Shinbashi-Straße / Gion, Kyoto

Uchimizu in der Teramachi-Straße, östlich vom Shokokuji-Tempel, Kyoto

Uchimizu und Umwelt

Wenn eine Person Wasser auf die Straße schüttet, macht das kaum etwas aus. Wenn es aber eine ganze Stadt regelmäßig macht, kommt natürlich die Frage auf, inwiefern es sich hierbei um Wasserverschwendung handelt. Es gibt daher Umweltinitiativen, die dazu anhalten, nur bereits im Haushalt verwendetes Wasser für Uchimizu zu benutzen. Das kann sein:

  • Nachdem die Familie gebadet hat, aus der Badewanne
  • Wasser aus der Klimaanlage
  • Gesammeltes Regenwasser

Uchimizu in der Teekultur

Auch die Teekultur Chado hat den Brauch des Uchimizu für sich entdeckt. Während eines Chakai oder Chaji wird an verschiedenen Stellen (z.B. Eingang, Trittsteine im Garten etc.) insgesamt drei Mal der Boden mit Wasser besprengt. Dieser Vorgang wird schlicht sando no uchimizu (三度の打水) genannt, „dreimaliges Besprengen mit Wasser“. Die genauen Zeitpunkte sind vor dem Eintreffen der Gäste, in einer kleinen Pause zwischen der Mahlzeit und dem Teeservieren und am Ende, bevor die Gäste gehen.

Weg durch den Teegarten vom Teehaus Saryo Hosen

Quellen:
Wikipedia Uchimizu (japanisch)
日本大百科全書(ニッポニカ)「打水」 via Japanknowledge
Uchimizu.jp (englisch)

Begeisterter Kyoto-Insider und ambitionierter Amateurfotograf mit Vorliebe für Tempel und Schreine.
Interessen: Kyoto als Erkundungsgebiet, Tee- und traditionelle Kultur in Japan, Erfahrungen in Schriftform pressen
Sportlich: Kendo – das japanische Fechten