Eines lässt sich über den Iribancha mit Sicherheit sagen: Er wird garantiert nicht jede Zunge zufriedenstellen.

Der Iribancha ist ein Bancha, der in der Umgebung Kyotos wächst, daher wird er auch Kyôbancha (京番茶) genannt. Bei Gyokuro und Matcha werden nur die oberen, frisch gewachsenen Blätter verwendet, sprich darunter bleiben noch groß gewachsene Blätter übrig. Diese werden nach der ersten Ernte bis Kniehöhe abgeschnitten. Diese Blätter werden dann aber ohne gerollt worden zu sein getrocknet. Vor der Auslieferung werden sie noch drei Minuten lang zur Konservierung stark erhitzt.

Das man mit dem Iribancha was spezielles vor sich hat, merkt man schon an der japanischen Beilage:

ん?これもお茶?
独特の形状と香り。
京都ならではのお番茶です。

„Hm? Das ist auch Tee?
Individuelle Form, origineller Geruch.
Das ist charakteristisch für Bancha aus Kyoto.“

Dieses „独特“ (Wadoku: „eigenartig; eigentümlich; besonders; charakteristisch; eigen; originell; individuell“) darf man dabei nicht unterschätzen. Als Japanologe (aber nicht nur) prägt man sich irgendwann ein, dass wenn etwas in Japan als eigentümlich o.ä. gilt, ist es für den Westler entweder gefährlich, ziemlich abartig, oder man sollte zumindest Vorsicht walten lassen.

So auch hier.

Ganz charakteristisch für den Iribancha  oder die „zu Vorsicht gebietende“-Elemente sind sein Geruch und Geschmack. Diese zeichnen sich durch eine starke Rauch(!)-Note aus – also Rauch von etwas verbrannten.  Der Geschmack ist schwer zu beschreiben. Ähnlichkeiten zum Hojicha sind zwar gegeben, aber Iribancha ist doch etwas sehr spezielles und eigenes. Nennes wir es „stark“ oder „schwer“ im Geschmack.

Sicher eine Geschmackserfahrung, die man machen kann – aber danach wohl nicht mehr allzu oft machen möchte. Das Dumme ist nur, dass Iribancha nur in relativ großen Packungen verkauft wird… (dafür aber auch günstig).

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Endnotiz:

Die Person, die ich gebeten habe, mir Iribancha mitzubringen, berichtete mir vom Kauf folgendes: Als die Verkäuferin merkte, dass der Iribancha für einen nicht-japanischen Mund gedacht war, wurde meine Kontaktperson sofort gewarnt – „Das könnte einem Ausländer nicht schmecken“.

Begeisterter Kyoto-Insider und ambitionierter Amateurfotograf mit Vorliebe für Tempel und Schreine.
Interessen: Kyoto als Erkundungsgebiet, Tee- und traditionelle Kultur in Japan, Erfahrungen in Schriftform pressen
Sportlich: Kendo – das japanische Fechten