Inzwischen bin ich seit 1 1/2 Monaten in Kyoto und ich kann sagen, dass es mir hier sehr gefällt. Die anfänglichen Unterschiede (Essgewohnheiten, Zurechtfinden, etc) sind inzwischen zum normalen Alltag geworden.

Das Wetter ist nun durchgehend warm, auch wenn es in den letzten paar Tagen öfters mal geregnet hat. Abends kühlt es sich zwar noch ab, aber nicht so stark dass man immer eine Jacke dabei haben muss. Das richtig heiße Wetter steht wohl noch bevor.

Meistens sind wir in der berühmten Einkaufsstraße Teramachi unterwegs, wo wir ziemlich oft an einem Okonomiyaki-Restaurant hängen bleiben oder am Mr. Donut oder an der Saizeria, die man am Shijo-Eingang der Teramachi findet und in der man „italienisches“ Essen zu guten Preisen finden kann – sowie „All you can drink“ (nicht alkoholisch) für nur ~180 Yen.
Zweimal waren wir auch schon in Osaka, nur ist der Heimweg (per Zug) von dort leider recht nervig und da keine Busse mehr fahren wenn wir aus Osaka kommen, muss ich in eine andere Bahnlinie umsteigen, wodurch das ganze noch teurer wird und die Bahnstation ist nicht gerade direkt vor meinem Haus.

Es kann sein dass ich nächste Woche mit einer Freundin zusammen in ein Apartement in der Shijo-Omiya ziehe. Gründe hierfür sind die zentralere Lage, bessere Einkaufsmöglichkeiten, eine Wohnung mit nur zwei Leuten anstatt mit acht und ein Tisch mit Stuhl. Sowas lernt man nach einem Monat Japan zu schätzen.

Vom 03.05. bis zum 05.05.2009 war am Heian-Jingu das Enbu Taikai, eine Art Kampfsportevent. Leider hatte ich nur am 03.05. Zeit und davon auch nicht soviel, sodass ich im Prinzip nur den Markt angeschaut habe und ein paar Kendo-Kämpfe. Hier Bilder und ein Video.
Die Prüfungen zum 8. Dan Kendo, die am 01.05. und am 02.05.2009 stattfanden habe ich leider nicht mitbekommen.

Den Heian-Jingu habe ich am selben Tag auch abgelichtet, wenn auch nur oberflächlich – hier die Bilder.

Im letzten Blog-Eintrag hatte ich auch vergessen die Bilder zum Nijo-Schloss bekannt zu geben – nun aber: Bilder.

Da ich Privatunterricht in Chado bei Matoya-Sensei habe, wurde ich von ihr am 03.05.2009 zu einer Teezeremonie im historischen Teezimmer Kobun-Tei im Shorenin (Bilder) eingeladen. Die Teezeremonie an sich war leider recht kurz, aber der Besuch des Shorenin an sich mit dem Nationalschatz Blaues Cetaka (Bilder dazu auch im Shorenin-Album) hat sich mehr als gelohnt – sollte man nicht auslassen.

Am 05.05.2009 war auch das erste Event vom Kendo-Zirkel, in dem ich Mitglied bin. Von 17 Uhr an wurde erstmal eine Runde Bowling gespielt, anschließend – um etwa 19 Uhr – ging es dann Richtung Nomikai (Kneipe). Es stimmt zwar, dass Japaner nicht sehr viel vertragen – aber so ein Nomikai sollte man nicht auf die leichte Schulter legen, das Tempo ist recht ordentlich. Dafür ist man als trinkfester Europäer dann wieder als erster nüchtern.
Um 22 Uhr ging es dann zum nächstgelegen Fluss, wo ich dann etwas beobachten durfte was mich etwas verwundert hat: ein Spiel namens Eru (?). Am Anfang stellten sich alle in einem Kreis um den Kaichô (Vorsitz des Vereins) auf, während dieser dann ein Lied angefangen hat zu singen (was angeblich das englische Lied der Doshisha Universtität sein sollte – habe aber nichts englisches gehört, nunja). Dabei wurde er dann von den meisten Anwesenden leicht getreten und herumgeschubst und auch angefeuert. Nach dem Lied ging es dann richtig los – der Kaichô hat einen Namen gerufen und dann sind alle auf den los, dessen Namen gerufen wurde. Nach kurzer Zeit hat dieser den nächsten Namen gerufen und dann sind alle auf diese Person los, alles auch mit leichten Tritten und viel Herumgeschubse. Bei Mädchen wurden zum Glück nur die Haare verwuschelt ;-)
Anschließend ging es dann noch bis spät in die Nacht ins Karaoke, wo man dann nicht mehr von zurückhaltenden Japanern sprechen konnte. Alles in einem ein sehr toller Abend mit interessanten Einblicken ins Leben von japanischen Studenten.

Begeisterter Kyoto-Insider und ambitionierter Amateurfotograf mit Vorliebe für Tempel und Schreine.
Interessen: Kyoto als Erkundungsgebiet, Tee- und traditionelle Kultur in Japan, Erfahrungen in Schriftform pressen
Sportlich: Kendo – das japanische Fechten