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Vom 16. September bis zum 18. September haben wir Ise besucht, hautpsächlich wegen dem Ise-Schrein (伊勢神宮), dem wichtigsten Schrein im Shinto.

Vom Bahnhof Kyoto aus ging es mit dem Kintetsu Kashihara Schnellzug (近鉄橿原線急行) bis nach Yamato Yagi (大和八木), dort sind wir in den Kintetsu Osaka Schnellzug (近鉄大阪線急行) umgestiegen. Mit dem ging es dann bis nach Ise (伊勢市), wo wir dann nochmal umgestiegen sind und bis zum Bahnhof Futaminora (二見浦) gefahren sind. Bis Ise kostet es 1960 Yen (günstigste Variante), von Ise nach Futaminora nochmal 200 Yen. Das Ganze hat dann etwas über drei Stunden gedauert.
Auf dieser Route fährt man zwischen Osaka und Ise durch eine hügelige Waldlandschaft, die richtig toll aussah. Wenn es trotzdem langweilig wird, kann man sich über die nicht vorhandene Handy-Internetverbindung ärgern.
Alternativ kann man auch mit dem Kintetsu Expresszug (近鉄特急) fahren: man spart eine Stunde und umsteigen muss man auch nicht – kostet aber 1500 Yen mehr.

Gleich am Bahnhof von Ise ist mir aufgefallen, wie ländlich Ise eigentlich ist. Ich habe zwar keine Großsstadt erwartet, aber Ise war dann doch mehr Dorf als ich erwartet habe – trotz dem wichtigstens Schrein des Landes. Zu dem Stadtteil Futamicho (二見町), in dem unser Hotel lag, fuhr ein Zug mit nur zwei kleinen Waggons – seit Hokkaido weiß ich, dass dies ein gutes Indiz für ländliche Gegenden ist (ok, wie überall auf der Welt). Der Bahnhof in Futami hatte dann nicht mal mehr die typischen Ticketschluckmaschinen (改札), seitdem bin ich stolzer Langzeitbesitzer eines Zugtickets mit 1960 Yen, Abfahrtsort Kyoto.

Da Futami nicht wirklich groß ist, haben wir unser Gasthaus auch schnell gefunden – das Maruya. Ein typisch japanisches Gasthaus. Ganz angenehm war, dass man so gut wie nichts vom Personal mitbekommen hat – von den anderen Gästen auch irgendwie kaum etwas. Ich hatte das Gefühl, dass wir das ganze Gasthaus für uns alleine hatten. Das Beste am Gasthaus war aber der Onsen (温泉). Der Onsen war kein frei zugänglicher Onsen, sondern man konnte ihn für eine gewisse Zeit lang reservieren und privat nutzen. Der Onsen war zwar nicht groß, aber das war auch absolut nicht wichtig, wie man hier sehen kann:

Da wir am 16. September erst um 14 Uhr losgefahren sind, kamen wir erst Abends an. Neben einer ausgiebigen Onsen-Session war also nichts mehr drin.

Am 17. September haben wir uns dann den ersten Teil vom Ise-Schrein angesehen. Der Schrein ist in zwei Teile gegliedert: dem äußeren Schrein Geku (外宮) und dem inneren Schrein Naiku (内宮). Vom Namen darf man sich aber nicht täuschen lassen, diese zwei Schreine sind sechs Kilometer voneinander entfernt. Vom Bahnhof Ise sind wir dann mit dem Bus zum Naiku gefahren, wo die oberste Göttin Amaterasu Omikami (天照大神) angebetet wird. Auch eines der drei Throninsignien – der Spiegel – soll sich hier befinden. Die Torii und die Brücken haben sehr neu gewirkt, was daran liegt, dass diese alle 20 Jahre neu gebaut werden – auch die Schreingebäude. Dieser Neubau kann aber auch ziemlich desillusionierend sein. Warum? Manchmal sieht man an den Brücken oder Gebäuden andersfarbige, meist rechteckige Bereiche. Eine der Brücken muss wohl gerade erst gebaut worden sein, zumindest habe ich einen Schreiner gesehen, der gerade dabei, diese Bereiche zu „färben“ – mit einem Aufkleber. Hätte nur noch nur „Made in China“ gefehlt ;)

Beeindruckend war auch der Fluß Isuzu (五十鈴川), der durch den Naiku fließt. Schönes klares Wasser, sieht man selten so.

Vom Gebäude, in dem Amaterasu haust, kann man normal nur das Dach sehen – wenn man das sehen kann, ist man aber schon im „Kein Foto!“-Bereich. Da das Schild aber ziemlich versteckt war, konnte ich zumindest noch ein Bild vom vordersten Gebäude des Kotaijingu Shogu (皇大神宮正宮, Hauptheiligtum) machen:

Allerdings hatte ich in dem Moment auch noch keine Ahnung, dass dies Teil des Kotaijingu Shogu war – bis mich dann ein Wächter angefallen hat…

Nach dem Naiku haben wir uns noch das berühmte Oharaimachi-Viertel (おはらい町) angeschaut, dass direkt vor dem Naiku ist und im Prinzip eine sehr lange Straße mit traditionellen Geschäften ist. Inklusive Okage Yoko Cho (おかげ横町).

Dort habe ich mir dann auch folgende zwei Erzeugnisse japanischer Reisweinproduktion gekauft:

Zurück zum Bahnhof, zurück zum Gasthaus, ab in den Onsen.

Am 18. September sind wir gegen 10 Uhr dann zum Okitama-Schrein (興玉神社) in Futami selbst gegangen. Berühmter als der Schrein selber sind wohl die zwei Felsen im Meer, die mit einem Seil miteinander verbunden sind, die Meotoiwa (夫婦岩, „Mann und Frau“-Fels). Die beste Zeit, die Felsen zu besichtigen, scheint wohl im Sommer bei Sonnenaufgang zu sein, wenn die Flut da ist und die Sonne gerade aufgeht. Bei Ebbe sind die zwei Felsen nicht vom Wasser getrennt und sehen weniger imposant aus – was um 10 Uhr fast schon der Fall war.

Anschließend ging es dann wieder zum Ise-Bahnhof und von dort aus nur 500 Meter weiter zum zweiten Teil es Ise-Schreins, dem Geku. Kurz vor dem Geku ist übrigens das Ise-Touristenbüro, in dem man sogar deutschsprachige Infomaterialien bekommt. Der Geku war dem Naiku dann auch relativ ähnlich, abzüglich Fluss, Hühner, dafür mit heiliger Küche, die wir aber irgendwie nicht gefunden haben.

Dann ging es auch schon wieder zurück nach Kyoto.

Begeisterter Kyoto-Insider und ambitionierter Amateurfotograf mit Vorliebe für Tempel und Schreine.
Interessen: Kyoto als Erkundungsgebiet, Tee- und traditionelle Kultur in Japan, Erfahrungen in Schriftform pressen
Sportlich: Kendo – das japanische Fechten