Am 18. August hatte ich es endlich geschafft, mich beim Kyoto Kendo Verband anzumelden (京都府剣道連盟、kyôtofu kendô renmei. Tolle Seite haben die übrigens: www.kyoto-kenren.or.jp).

Zusammen mit einer japanischen Freundin vom Kendozirkel Kenrenkai (Dôshisha Universität) habe ich mich aufgemacht, mich für den Verband und für die Prüfung zum ersten Dan anzumelden, die am 19. September im Budo-Center stattfindet. Beides wird normalerweise gesammelt über den Verein gemacht, aber da ich etwas spät dran war, mussten wir persönlich zum Büro vom Kyoto Verband gehen. Ziemlich unscheinbares Gebäude.

Ohne Verein geht eine Anmeldung im Verband nicht, von daher war es doch gut, mit besagter Freundin hinzugehen, anstatt alleine – wie ursprünglich geplant. Die Anmeldung als Student der Doshisha Universität, Verein Kenrenkai hat dann insgesamt 4350 Yen (etwa 40 Euro) gekostet, davon 2000 Yen Gebühr für die Neumitgliedschaft, 2000 Yen als Student und 350 Yen für den Mitgliedsausweis. Die Anmeldung für die Prüfung zum ersten Dan machte dann nochmal 3150 Yen (etwa 29 Euro).

Anmeldeschein

Im Gegensatz zu Deutschland muss man in Japan bei den Danprüfungen neben Praxiseinsatz und Nihon Kendo Kata noch einen schriftlichen Test ablegen. Bei der Anmeldung zur Prüfung bekommt man eine Auswahl an Fragen, die im Test vorkommen können. Bisher war ich eigentlich kein Befürworter solcher schriftlichen Prüfungen und war froh, dass es diese in Deutschland nicht mehr gibt. Nachdem ich mich aber nun mit den Fragen beschäftigt habe, hat sich meine Meinung geändert. Wenn Musterantworten im Sinne der alljapanischen Kendoföderation verfügbar sind, würde ich solche schriftlichen Tests jetzt unterstützen. Beim ersten Dan sind das natürlich sehr grundlegende Fragen, bei meiner Prüfung konnten zwei der folgenden Fragen drankommen, die fett gedruckten Fragen kamen schließlich dran:

  1. Shinais, die man nicht benutzen darf. Nennen Sie drei oder mehr Punkte dazu.
  2. Nennen Sie drei Punkte oder mehr, auf die man beim Training für (Grund-) Techniken achten sollte.
  3. Schreiben Sie auf, was man bei der Fussarbeit der Nihon Kendo Kata beachten soll.

Ich war froh, dass die Kata-Frage nicht drankam!

Je nach Dangrad gab es dann schwierigere Fragen wie z. B. Punkte bei Kirikaeshi, das Kamae des Gegenübers zerstören etc. Bei meinen Fragen hat mir besonders die zweite Frage gefallen, sollte es doch spätestens hier auch dem letzten Kendo-Genie mit 4. Kyu auffallen, dass man alles zuerst „langsam, groß und zielgenau“ machen sollte und erst wenn man besser wird, „schneller, stärker, aber immer zielgenauer“. So zumindest steht es in der Musterantwort. Aber wie immer gilt: „Training kommt zuerst!“ (und nicht die Buchlektüre). Um aber einen theoretischen Grundschatz aufzubauen, mit dem man Kendo dann auch verbal vermitteln kann, sind solche Prüfungen sicherlich nicht schlecht. Man hat sich dann zumindest mal damit auseinandergesetzt. Da japanisch immer noch sehr schwierig ist, gerade mit Spezialvokabular, habe ich am Vortag der Prüfung zuerst den Text der Antworten auswendig gelernt, je nach Zeit dann noch das eine oder andere Kanji, damit es kein reiner Hiragana Text wird.

Kata konnte ich zeitlich leider nicht üben, daher bin ich es nur im Kopf durchgegangen und für die dritte Form (wegen Fußarbeit) noch ein Video angeschaut. Zum Glück braucht man hier für den ersten Dan aber nur Form 1 bis 3 (zweiter Dan: 1 bis 5, dritter Dan: 1 bis 7).

Soweit zur Vorbereitung…

Artikel über den Prüfungstag zum 1. Dan Kendo.

 

Begeisterter Kyoto-Insider und ambitionierter Amateurfotograf mit Vorliebe für Tempel und Schreine.
Interessen: Kyoto als Erkundungsgebiet, Tee- und traditionelle Kultur in Japan, Erfahrungen in Schriftform pressen
Sportlich: Kendo – das japanische Fechten