Beppu – Um 17 Uhr ging es mit dem Highway-Bus von Nagasaki nach Beppu (別府), der Stadt der Onsen. Nach etwa vier Stunden Fahrt kamen wir auch und checkten erstmal in das Hotel Shin Horii (新ほり井) ein. Ein sehr nettes Onsen-Ryokan mit kashikiri onsen (貸切温泉), das heißt, wenn der Onsen frei ist und man reingeht, hat man den Onsen für sich alleine. Und davon gab es gleich zwei: soma no yu (杣の湯) und komorebi no yu (木洩れ日の湯).

Eingang

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Onsen komorebi no yu

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Onsen komorebi no yu

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Onsen soma no yu

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In Beppu ist mir auch das erste Mal Toriten (とり天) aufgefallen, welches ähnlich wie Karaage (唐揚げ) ist. Nur wird statt Frittieröl bei Toriten Tempura verwendet. In der Präfektur Oita (大分), in der Beppu liegt, wurden nach dem zweiten Weltkrieg zahlreiche Hühnerfarmen aufgebaut, um gegen die Nahrungsknappheit anzukämpfen. Das würde auch erklären, warum es nördlich von Beppu eine Stadt gibt, die bekannt für ihr Karaage ist – mit zahlreichen Karaage-Imbissen/Restaurants.

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Über die zahlreichen Onsengänge und unseren Hühnchenkonsum möchte ich hier aber nicht weiter ausführen. Es war auf jeden Fall entspannend und lecker!

Die Höllen von Beppu

Ähnlich wie Unzen hat auch Beppu seine sogenannten Höllen. Hierbei handelt es sich um acht heiße Quellen, die sich durch spezielle Charakteristiken von anderen heißen Quellen abheben. Alle Quellen befinden sich im nördlichen Teil von Beppu und bis auf zwei Quellen liegen alle sehr nahe beieinander.

Ticketpreis liegt bei 400 Yen für eine einzelne Quelle oder 2000 Yen für alle Quellen zusammen. Man kann alle Quellen in vier Stunden schaffen, aber da es fast an jeder Quelle ein Erholungsfeature gibt, würde ich mehr einplanen.

Quelle 1) Umi-jigoku 海地獄

Die „Seehölle“, die ihren Name von ihrer Meeresblauen Farbe erhält. Es gibt noch eine zweite Quelle auf dem Gelände, die bräunlich gefärbt ist, aber wohl zu unwichtig ist, um einen eigenen Namen zu bekommen. Hier haben wir auch das erste ashiyu (足湯), einer heißen Quelle nur für die Füße. Herrlich!

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Ashiyu at Beppu, Kyushu, Japan

Quelle 2) Oniishibozu-jigoku 鬼石坊主地獄

Hmm… die „Hölle des Teufelsteins mit Glatze“? Ich lasse die Bilder entscheiden. Auch hier gibt es ein tolles Fußbad!

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Quelle 3) Yama-jigoku 山地獄

Das wird wieder einfacher: die „Berghölle“. Relativ unspektakulär…

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…weswegen man wohl unbedingt einen kleinen Zoo hinzufügen musste! Man kann sich ja über Zoohaltung generell streiten, aber was Japan zu dem Thema liefert, kann man teilweise nur noch als Tierquälerei bezeichnen. Da hätten wir zunächst das Nilpferd, welches schon so darauf konditioniert ist, apathisch im Wasser zu sitzen und reflexartig das Maul auzusperren, sobald es auch nur den Hauch einer Karotte sieht.

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Es geht dann auch gleich mit einem Elefanten weiter, der im völlig zu kleinen Gehege wohl auch schon aufgegeben hat und seinen Kopf nur noch auf das Geländer legt – und ab und zu so dermaßen auf die Gitterstäbe dröhnt, dass es sich anhört wie die außerirdischen Angreifer aus der Neuauflage von „Krieg der Welten“ mit Tom Cruise.

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…lieber schnell weiter.

Quelle 4) Kamado-jigoku かまど地獄

Die „Küchenherdhölle“. Ok, es wurde ein traditioneller Reiskocher aufgestellt…

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…und man konnte das Wasser trinken (salzig, wäh)…

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…aber warum es jetzt ausgerechnet diesen Namen tragen musste, war nicht erkennbar. Aber wenigstens wieder schöner.

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Oder auch nicht…

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Oder doch!

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Wieder mit Fußbad und Onsen-Eiern.

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Quelle 5) Oniyama-jigoku 鬼山地獄

Die „Teufelsberghölle“. Auch hier wieder fragt man sich, warum ausgerechnet dieser Name – aber das war eh nicht wichtig. Es fing wieder unspektakulär an…

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…und weil das so ist, brauchte man wieder Tiere! (man ahnt es schon…)

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Nein, keine Nilpferde und Elefanten, einfach nur Unmengen von Krokodilen in einen Käfig. Handtaschen brauchen eh keinen Platz?

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Quelle 6) Shiroike-jigoku 白池地獄

Die „Hölle der weißen Quelle“. Das war wieder leichter zu erkennen. Die Quelle war zwar schon, aber scheinbar brauchte man auch hier Bonustiere. Allerdings nur Fische und nicht so erbärmlich untergebracht wie die anderen Leidensgenossen.

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Quelle 7) Chinoike-jigoku

Die „Blutteichhölle“. Auch klar erkennbar. Zum Glück keine Tiere! Um von der Shiroike-jigoku hierher zu kommen, musste man den Bus oder ein Taxi nehmen.

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Quelle 8) Tatsumaki-jigoku 龍巻地獄

Die „Tornadohölle“, direkt neben der Chinoike-jigoku. Etwa alle 45 Minuten emporschießende Wasserfontäne und auch hier wieder keine Tiere – Glück gehabt, ihr Exoten dieser Welt!

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Video: Die Höllen von Beppu – Umijigoku und Oniishibojigoku

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Fazit

Der Großteil der Quellen war wirklich schön – allerdings muss man bedenken, dass diese Quellen ein sehr beliebter Ausflugsort für Familien ist. Wer allergisch gegen nervende Kinder ist, kann sich hier auf einen Schock gefasst machen. Dazu kommen die erbärmlich gehaltenen Tiere, die die Stimmung ordentlich in den Keller drücken kann.

Am Abend folgten dann weitere Onsengänge und noch mehr Hühnchen auf dem Teller, bevor es am nächsten Morgen dann ab nach Aso und Kumamoto ging.

Alle Bilder von Beppu

Alle Bilder von Beppu und den Höllen auf Flickr

Begeisterter Kyoto-Insider und ambitionierter Amateurfotograf mit Vorliebe für Tempel und Schreine.
Interessen: Kyoto als Erkundungsgebiet, Tee- und traditionelle Kultur in Japan, Erfahrungen in Schriftform pressen
Sportlich: Kendo – das japanische Fechten