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Der Hieizan, Kyotos größter Hügel *hust* … Berg mit 848 Meter gehört eigentlich auch immer mit zum Pflichtprogramm des ernsthaften Kyoto-Besuchenden. Historisch ist er berühmt, weil der Enryakuji (liegt auf dem Hieizan) vom Daimyo (Kriegsherr) Oda Nobunaga abgefackelt wurde. Die toten Kampfmönche waren dabei wohl weniger das Problem – man hat Oda eher das Niederbrennen der Bibliothek übel genommen.

Vom Kyoto-Bahnhof aus ging es für schlappe 320 Yen zum Bahnhof Hieizan-Sakamoto (比叡山坂本), was auch nur etwa 20 Minuten dauerte. Es gibt zwei Wege, den Hieizan zu erklimmen: Klassisch per Fuß oder modern per Seilbahn. Per Fuß dauert das auch seine vier bis fünf Stunden, per Bahn gerade mal 15 Minuten – dafür auch zum stolzen Preis von 840 Yen pro Fahrt. Wir haben uns für die Bahn rauf und zu Fuß runter entschieden.

Aber egal wie man sich entscheidet – man muss erstmal durch Sakamoto, und die Straße vom Bahnhof zur Seilbahn / Wanderweg ist von kleinen Minitempeln und
-schreinen nur so gepflastert:

Oben auf dem Hieizan konnte man dann erstmal die schöne Aussicht genießen:

Beeindruckend war auch die Haupthalle des Enryakuji. Zuerst sieht man sie durch die Bäume hindurch, was meiner Meinung nach einen starken Eindruck hinterlässt:

Zum schönsten Gebäude kürte ich dann ein relativ unauffälliges, von den Besucher auch wenig beachtetes Gebäude:

Beim Abstieg gibt es dann mehrere Pfade. Wir haben uns für einen Trekkingpfad direkt bei der Seilbahn entschieden, da man mit diesem Weg laut einem Bahnangestellten nur eine Stunde für den Abstieg gebraucht. Von wegen. Abgesehen von den zwei Stunden, die wir dann gebraucht haben, enstsprach dieser Weg bestimmt auch keinen Sicherheitskriterien – ab der Hälfte des Weges wurde es nochmal härter, denn dort fing das Reich der Spinnen an, gleichzeitig wurde es dunkler, da der Wald dichter wurde. Zwischen den Ästen, über dem Weg spannten sich teils riesige Spinnennetze. Unnötig zu sagen, dass diese von großen, knallgrünen und -gelben Spinnen gebaut wurden. War natürlich ein Spaß, als 1,90m großer Ausländer da runterzulaufen – die Netze fingen fingen wohl gerne bei 1,80m Höhe an. Achtet man auf den gefährlichen, abschüßigen Boden oder auf die Spinnennetze? Kompromiss: wie Quasimodo (Der Glöckner von Notre Dame) laufen.

Ein Bild von der oberen Hälfte, als wir noch Spaß hatten:

Bevor das Spinnenreich anfing, konnten wir noch das Grab eines Dichters der Heian-Zeit anschauen:

Am Ende kam dann das nächste „Wäääh?!“. Der Weg wurde immer undeutlicher und wir landeten (nach einer „Ab durch die Büsche!“-Aktion) genau neben einem Baseballfeld einer Schule. Keine Ahnung ob das wirklich der normale Weg war. Ein Freund sagte mir, er habe denselben Weg genommen, wäre aber in einem privaten Garten rausgekommen und musste sich zur Straße schleichen.

Das, liebes Tagebuch, war meine schöne Hieizan-Erfahrung.

Begeisterter Kyoto-Insider und ambitionierter Amateurfotograf mit Vorliebe für Tempel und Schreine.
Interessen: Kyoto als Erkundungsgebiet, Tee- und traditionelle Kultur in Japan, Erfahrungen in Schriftform pressen
Sportlich: Kendo – das japanische Fechten