Mittwoch, 28. August 2010, ich bin heil in Japan. Naja, fast heil. Da ich fantastischerweise einen Koffer (!) ins Auge (!!) bekommen habe, sehe ich jetzt erstmal eine Woche lang aus wie ein verletzter Yakuza. Aber alles halb so wild.

Zum Flug…

Statt wie letztes Jahr bin ich dieses Mal mit Turkish Airlines von Stuttgart über Istanbul nach Osaka (Kansai International) geflogen. Preislich mit 807 Euro das günstigste, was ich finden konnte. Lufthansa hätte mich um 1300 Euro erleichtert. Die Zeit, in der ich fliege, ist aber Hochsaison in Japan, daher generell etwas teurer.

Der Flug von Stuttgart nach Istanbul war bis zum letzten Platz voll, die Beinfreiheit hat mich aber positiv überrascht (bei fast 190 cm Größe). Weniger begeistert war ich von den Ansagen, die zu 70% nur auf türkisch gesprochen wurden. Zum Glück hatte ich aber eine nette Nebensitzerin, die mir übersetzt hat – leider aber auch ziemlich ungern flog.

Die Aufenthaltszeit in Istanbul waren gerade einmal zwei Stunden, wobei man hier bei zwei Sachen aufpassen musste: 1) Die Zeitverschiebung um eine Stunde und 2) der Transitdurchgang war ziemlich versteckt. Wegen ersterem war ich ziemlich überrascht und habe mich gefragt, warum auf einmal alle aufstanden, obwohl es laut meiner Uhr noch eine Stunde dauern sollte bis zum Boarding. Ach ja, mein Gate nach Osaka war natürlich das Allerallerhinterste.

Beim Langstreckenflug war ich dann deswegen überrascht, dass von den 70 bis 100 Sitzen in meinem Bereich nur etwa 10 belegt waren. Freie Platzwahl war daher fast schon untertrieben. Beinfreiheit war hier noch besser, die Filmauswahl beachtlich, aber türkisches Minced Beef  möchte ich jetzt eine Weile nicht mehr essen (einmal von Stuttgart nach Istanbul, zweimal nach Osaka – das alternative Menü hat mich aber noch weniger angemacht) – das Essen war insgesamt aber gut.

Insgesamt kann ich Turkish Airline sehr empfehlen. Günstiger Preis, gute Qualität und nettes Personal. Mal schauen, ob ich noch derselben Meinung bin, wenn ich mal die Hotline anrufen muss.

…und die glorreiche Rückkehr

Mit 20 Minuten Verspätung bin ich dann in Osaka gelandet. Die Information, dass ich letztes Jahr Austauschstudent an der Doshisha Universität war, stellte sich wieder als Freifahrtschein durch die Kontrolle und den Zoll heraus. Bei der Passkontrolle wollte man mir aber erstmal nicht glauben, dass die angegebene Adresse mein eigenes Mietapartment sein soll.

Beamter: „Diese Adresse ist…?“
Ich: „Mein eigenes Apartment“
Beamter: „Von ihrer Freundin?“
Ich: „Nein, eigenes…“
Beamter: „Freundin?“
Ich: „NEIN!

….Smalltalk über Doshisha, finanzielle Situation und ganz wichtig: mein Rückflugtermin.

Nachdem wir uns dann otsukaresama gedisst haben, durfte ich endlich zum Koffer- und damit auch Zollbereich. Ich hatte auf meiner Custom Declaration nach langer Überlegung extra „Restricted Items“ angekreuzt, da ich Kartoffeln dabei hatte. Kontrolle? Pustekuchen! „Ah, Doshisha?“ und durch war ich. Den Zettel hat sie nicht mal richtig angeschaut! War aber auch besser so, denn auf diese Weise habe ich gerade noch so den zweiten Bus meiner Planung erreicht, so kam ich dann 30 Minuten später in Kyoto an als geplant – meine Freundin hat es überlebt.

Kyoto – hach, wie nostalgisch das hier doch alles ist. Die Gebäude, die Japaner, die Tatsache, dass man rausgeht und einfach anfängt zu schwitzen. Ja, es ist wieder verdammt heiß hier. Meine erste Übernachtungsstation bei einem Freund war nachts über nicht gekühlt, entsprechend schlaflos war die Nacht, seit 5 Uhr morgens bin schon wach. Dass ich überhaupt bis 5 Uhr etwas schlafen konnte, lag wohl an den fünf Bier und dem vollen Magen vom Yakiniku All you can eat (焼肉食べ放題) am Abend.

Inzwischen bin ich in meinem Apartment (nicht von meiner Freundin…, aber mit!) für den nächsten Monat umgezogen und ich muss sagen, es ist Gold wert. Genau soviel muss ich auch leider zahlen, 80.000 Yen kostet die gute Wohnung. Aber inzwischen verstehe ich auch, warum. Unter anderem sehr schöne Lage (zwei berühmte Tempel/Schreine in der Nähe, direkt an der Töpferstraße Gojo 五条 dran) und eine Dachterasse. Am 27. August kehre ich dann zu der Wohnung meines Freundes zurück für den Rest der Zeit – das wird eine harte Umstellung.

Bilder kann ich zwar machen, aber noch nicht hochladen – ich habe tatsächlich mein Verbindungskabel Kamera-PC vergessen. Das wird ein Besuch bei Yodobashi wert sein.

Am Schluss möchte ich nochmal auf die Karte hinweisen, wo man sehen kann wo ich mich gerade befinde (zumindst grob) und was ich noch vorhabe:


Japan 2010 auf einer größeren Karte anzeigen

Und hach, japanisches Internet…

Das Wort des Vortages erspare ich euch an dieser Stelle. Das war nicht mal annähernd Jugendfrei.

Begeisterter Kyoto-Insider und ambitionierter Amateurfotograf mit Vorliebe für Tempel und Schreine.
Interessen: Kyoto als Erkundungsgebiet, Tee- und traditionelle Kultur in Japan, Erfahrungen in Schriftform pressen
Sportlich: Kendo – das japanische Fechten