Es gibt ja immer wieder diese japanischen Phänomene, die wir nicht so recht verstehen, weil wir schlicht und einfach nichts vergleichbares im eigenen Kulturraum haben. Vieles davon hat mit der Höflichkeit der japanischen Kultur und deren sozialen Umgangsformen zu tun. So wie dieses Beispiel.

Es kann vorkommen, dass man von einer Firma o.ä. einen voradressierten Brief bekommt, den man zurückschicken muss. Als Absender würde man normalerweise das sehr höfliche ~sama (様) als Anrede bzw. Namenssuffix nutzen. Die Firma selber jedoch, an die der Brief gehen soll, kann natürlich wegen der japanischen Etikette nicht von Anfang an ~sama verwenden und weglassen geht auch nicht wirklich. Die Lösung? Man verwendet einfach das sehr neutrale ~yuki (行), salopp gesagt „soll zu XY gehen“.

Jetzt kommt aber der Absender in die Bredouille. Für diesen wäre es nun wiederum unhöflich, dieses ~yuki zu verwenden. Was macht man nun? Man streicht das ~yuki aus und ersetzt es mit dem angemessen ~sama.

Brilliant, schlicht und einfach.

Begeisterter Kyoto-Insider und ambitionierter Amateurfotograf mit Vorliebe für Tempel und Schreine.
Interessen: Kyoto als Erkundungsgebiet, Tee- und traditionelle Kultur in Japan, Erfahrungen in Schriftform pressen
Sportlich: Kendo – das japanische Fechten