Es ist Sommer und die Sonne brennt. Klar, die Sonne brennt schon ziemlich lange und gemein wie sie ist, schickt sie ihre Sonnenstrahlen zu uns, damit wir auch brennen. Klappt glücklicherweise noch nicht so ganz, aber wir helfen der Sonne ja tatkräftig (globale Erwärmung).

Dass diese Boten des Todes auch eine intensive Ästhetik inne haben können, daran mag man kaum glauben. Pure Sonnenstrahlen sind natürlich etwas langweilig, nur in Verbindung mit etwas anderen entfalten sie ihre Schönheit – die prächtigen Farben der Natur; die Schönheit des Lebens an sich; das Funkeln von Kristallen (…das ist ja fast schon Tsurezuregusa-Stil).

Seit längeren kenne ich ein japanisches Wort, welches eine weitere Facette von Sonnenstrahlen-Ästhetik beschreibt. Aufgefallen ist das wieder, als ich meinen Kendogi (Trainingskleidung im Kendo) im Bad zum Trocknen aufgehängt habe. Da Bad und nasse Klamotten nur wenig Charme versprühen, musste ich das Ganze natürlich anders in Szene setzen:

Mir geht es also um die Sonnenstrahlen, die durch etwas hindurch scheinen – und damit meine ich nicht Glas. Selten wurde mir so warm ums Herz und dachte einfach nur, wie schön das ist.

Im Japanischen gibt es ein Wort, welches wir leider nicht haben –  es ist auch nicht sonderlich allgemein gemeint, sondern bezieht sich speziell auf die Natur:

木漏日 – komorebi
Das Licht, dass durch Baumkronen fällt

Leider ist das Wort nicht mehr wirklich gebräuchlich – aber es hat sich trotzdem als Lieblingswort bei mir etabliert.

Begeisterter Kyoto-Insider und ambitionierter Amateurfotograf mit Vorliebe für Tempel und Schreine.
Interessen: Kyoto als Erkundungsgebiet, Tee- und traditionelle Kultur in Japan, Erfahrungen in Schriftform pressen
Sportlich: Kendo – das japanische Fechten