Andere Länder, andere Sitten. Und völlig andere Vorstellungen davon, welche Bedeutung hinter dem einen oder anderen Symbol steckt. Karten lesen war in Japan vielleicht nicht immer einfach, denn manche Symbole (Piktogramme) waren für den Besucher aus westlichen Kulturkreisen schlicht nicht intuitiv verständlich. Das soll sich nun ändern, wenn die Vorschläge der Geospatial Information Authority of Japan*, kurz GSI, umgesetzt werden.

*Zuständig für geographische Visualisierungen, sprich: Landkarten.

Rein japanische Karte - Verwirrung pur

Rein japanische Karte – Verwirrung pur ©GSI Maps

Die Problematik dabei ist ganz simpel: wenn man sich in einer unbekannten Gegend zurechtfinden möchte oder eine bestimmte Einrichtung sucht (z.B. Krankenhäuser, Bahnstationen etc.), nimmt man eine Karte zur Hand. Findet man auf dieser Karte aber nur unbekannte Symbole vor, ist die Karte schlicht nutzlos. Es ist daher von entscheidender Bedeutung, dass die Bedeutung der verwendeten Symbole sofort einleuchten, ohne dass man erst noch nach der Erklärung für das Symbol suchen muss. In erster Linie sind solche Symbole kulturell geprägt: wir wachsen in einer Gegend auf, in der wir bestimmte Symbole ständig sehen und so können wir jene Symbole sofort mit ihrer Bedeutung assoziieren. Wir wissen, dass ein rotes Kreuz medizinische Hilfe verspricht. So wissen wir, dass wir Flüssigkeiten, die mit einem Totenschädel und zwei überkreuzten Knochen definitiv nicht trinken sollten.

Im besten Fall sind diese Piktogramme international standardisiert und interkulturell verständlich, was unseren Alltag bei Auslandsreisen erheblich erleichtern kann. Für Empfehlungen in dieser Richtung ist die Internationale Organisation für Normung (ISO) zuständig, zu finden unter dem Standard ISO 7001  („public information symbols“).

Nun liegen zwischen Deutschland und Japan etwa 9000km – genug Distanz also, damit sich gewisse Dinge anders entwickeln konnten. Der nächste große Touristenstrom wird in Japan für die Olympischen Spiele 2020 in Tokyo erwartet. Grund genug für die GSI, die bisher in Japan gängigen Piktogramme auf ihre Verständlichkeit zu prüfen und wenn nötig, Änderungen vorzunehmen. Dazu wurde eine Umfrage unter nicht-Japanern durchgeführt und auf der Grundlage derer Ergebnisse werden folgende Änderungen vorgeschlagen. Wohlgemerkt nur für Karten, die an nicht-Japaner gerichtet sind. Karten in japanischer Sprache sollen ihre bisherige Symbolik beibehalten, was vermutlich zur ein oder anderen Verwirrung führen wird und die Änderung nicht ganz so konsequent macht.

Eine Auswahl:

Links: aktuelles Symbol | rechts: vorgeschlagenes Symbol

Tempel 寺院 jiin

Tempel 寺院 jiin

Das Symbol schlechthin, das oft für Verwirrung oder gar für Schrecken gesorgt hat. Das Manji-Symbol – fast schon liebevoll „umgedrehte Swastika“ genannt. Das dieses Symbol bei einer Umfrage in Sachen Verständlichkeit klar durchfällt, war abzusehen. Das Manji-Symbol markiert auf Karten den Standort von buddhistischen Tempeln und soll durch eine dreistöckige Pagode ersetzt werden. Interessanterweise findet wegen der Änderung dieses Symbols die meiste Aufregung statt („Da geht Kultur verloren!! Behaltet das Symbol!!!“ „Verdammte political correctness!“) – warum auch immer.

pikto-polizei

Polizeiwache 交番 kōban

Das ein X für eine polizeiliche Einrichtung steht, ist doch klar! Oder doch nicht? Zumindest weiß jedes japanisches Kind, dass ein X im Kreis für eine Polizeitstation steht und ein alleinstehendes X für eine kleine Polizeiwache, auf japanisch kōban. Damit die Standorte der Polizei nun auch für ausländische Besucher klarer werden, soll das X der so gut wie überall zu findenden kōban mit dem Symbol eines Sterns oder Polizisten (mit viel Fantasie) ersetzt werden. Das Symbol der Polizeistationen soll scheinbar unverändert bleiben.

Hotel ホテル hoteru

Hotel ホテル hoteru

Ein H wie… Hubschrauberlandeplatz? Oder für Hospital? Nicht in dem Fall. Hotelsuchenden soll in Zukunft ein eindeutigeres Symbol weiterhelfen: eine schlafende Person in einem Bett.

Postamt 郵便局 yūbinkyoku

Postamt 郵便局 yūbinkyoku

Das japanische Postsymbol war für den westlichen Betrachter schon immer ein sehr eigenwilliges T und soll nun durch einen Briefumschlag ersetzt werden. Wer es genauer wissen möchte: beim vermeintlichen T mit Strich darüber handelt es sich um das Katakana-Schriftzeichen te und stammt von teishinshō逓信省 – das Ministerium für Kommunikation, dem Vorläufer des heutigen Postamts, welches von 1885 bis 1949 in dieser Form existierte.

Unser liebgewonnes Symbol für Onsen und Sento bleibt uns aber erhalten. 611 von insgesamt 887 Umfrageteilnehmern (69%) gaben an, dass dieses Symbol leicht zu verstehen ist. Puh, Glück gehabt, Onsen-Symbol!

Quelle
GIS-Dokument ab S. 23

Begeisterter Kyoto-Insider und ambitionierter Amateurfotograf mit Vorliebe für Tempel und Schreine.
Interessen: Kyoto als Erkundungsgebiet, Tee- und traditionelle Kultur in Japan, Erfahrungen in Schriftform pressen
Sportlich: Kendo – das japanische Fechten