Die Off-Season (オフシーズン!!) ist vorbei, somit gab es gestern endlich das erste Training im Kenrenkai (剣練会) – und das am Feuertag (火曜日)!

Kenrenkai ist der Kendo-Zirkel der Doshisha-Universität (同志社大学) in Kyoto. Bei meinem halben Jahr in Japan 2009 war ich dort Mitglied, jetzt musste ich natürlich auch hin. Leider findet das Training zur Zeit nur in Kyotonabe (京田辺) statt, was ziemlich weit südlich von Kyoto ist.

Erstaunlich viele haben sich an mich erinnert – als ich die „spezielle Treppe“ für die Viertjahresstudenten herunterkam, wurde ich dort von den bereits anwesenden Erst- und Zweitjahresstudenten mit lauten „お久しぶりです“ (~Lange nicht mehr gesehen!) begrüßt. Insgesamt waren etwa 15 Leute im Training, was relativ wenig ist. Im Moment ist aber nur freiwilliges Training, das offizielle Training beginnt erst wieder Ende  September. Es war leider kein einziger Viertjahresstudent anwesend. Inzwischen bin ich Master-Student (ok, fast), daher bin ich in Japan an der Universität daigakuinsei (大学院生)  und damit quasi intai (引退) bzw. OB (Old Boy). Das  hieß dann mal wieder übersetzt: der Ranghöchste.

Training bei 37° Grad ist natürlich nicht ohne. Das Training fing mit kurzen Aufwärmen und Übungsschlägen an, gleich im Anschluss gab es bereits die erste Pause (fünf Minuten). Der Wasserspender war natürlich in jeder Pause heiß begehrt. In Rüstung wurden dann die Grundschläge absolviert, danach durfte man dem Partner sagen, was man machen wollte. Nach nicht mehr als 30 Minuten dann eine weitere Pause (ca. 10 Minuten), bevor es dann mit Ji-Geiko weiterging.

Zum ersten Mal hatte ich eine eigene Schlange, bei der sich die Leute anstellten – ok, nicht viele und auch nur Erst- und Zweitjahresstudenten. Und vermutlich aufgrund einer Mischung aus „Der ist daigakuinsei, der muss gut sein!“ und „Kenne ich nicht“. Als erstes schnappte ich mir aber eine Freundin für ein Ji-Geiko und Ippon Shobu und gewann sogar. Dann arbeitete ich die Schlange ab, bei der ich aber nicht besonders gut aussah. An das schnelle Tempo in Japan muss ich mich erst wieder gewöhnen. Ich hatte auch zwei Monate lang kein Training, daher war ich nicht in Hochform. Ich war zwar kein leichtes Opfer, aber in dem Zustand auch absolut kein Favorit. Ich hoffe, ich komme schnell wieder in Form – muss weniger Okonomiyaki essen ;-) Zum Abschluss suchte ich mir noch selber ein paar Leute raus und habs dann gut sein lassen. Bilanz: einmal gewonnen, dreimal verloren.

Meine bisherigen Kendo-Erfahrungen in Japan habe ich auf diesen Blog veröffentlicht – aus Bequemlichkeit mache ich das aber nun hier.

Begeisterter Kyoto-Insider und ambitionierter Amateurfotograf mit Vorliebe für Tempel und Schreine.
Interessen: Kyoto als Erkundungsgebiet, Tee- und traditionelle Kultur in Japan, Erfahrungen in Schriftform pressen
Sportlich: Kendo – das japanische Fechten