Nach dem Besuch im Kokedera hatte ich endlich ein argumentativ starkes Beispiel. Es gibt da nämliche eine Wortkombination, die ich schon öfters auf Japan-Kyoto verwendet habe. War es anfänglich nicht ganz ernst gemeint, wurde mir nach und nach klar, dass doch mehr Wahrheit darin steckt als gedacht: die Rede ist von „gierige Buddhisten!“. Mit dem Kokedera – offizieller Name Saihoji – habe ich den teuersten Tempel von ganz Kyoto gefunden und leider gilt hier nicht je teurer desto besser. Aber fangen wir von vorne an.

Japan-Kyoto Wertung

Über Kokedera

Der Tempel Kokedera ist nicht frei zugänglich, sondern reservierungspflichtig. Die Reservierung erfolgt per Post – über Email ist es nicht möglich. Eine genauere Beschreibung vom Ablauf der Reservierung findet man auf Japan Guide unter „Hours and Fees“. Der Eintrittspreis beträgt 3000 Yen und im Preis inklusive ist eine Tempeltätigkeit, die von Tag zu Tag unterschiedlich ist und an der man teilnehmen muss. Das kann sein:

  • Meditation
  • Sutren schreiben
  • Sutren rezitieren

Sutren rezitieren ist für ungeübte Personen bzw. ohne fortgeschrittene Japanischkenntnisse unmöglich. Sutren schreiben könnte funktionieren. Und wenn man Glück hat, erwischt man die Meditation. Wir haben Sutren rezitieren erwischt, wobei das Rezitieren hauptsächlich die Mönche übernehmen, eine ziemlich intensive Erfahrung. Nach dieser Tempeltätigkeit bekommt man 90 Minuten Zeit, um sich den Garten anzuschauen. Ob sich dafür die 3000 Yen lohnen, muss jeder für sich entscheiden. Für Moos-Otaku sollte man das aber dank dem namensgebenden Moos bejahen können.

Dieses Anmeldeprozedere war aber nicht immer so. Bis 1977 war der Tempel jederzeit ohne Voranmeldung besuchbar. Vermutlich waren die Besucher aber etwas zu übereifrig und haben dem Moos wohl ordentlich zugesetzt, worauf dann die oben genannten Restriktionen eingeführt worden sind. Kokedera wird von der japanischen Regierung in den „Monuments of Japan“ als „Historic Site“ und „Special Places of Scenic Beauty“ geführt.

Der Tempel Kokedera ist definitiv besuchenswert und der Garten sehr schön sogar, aber es muss jeder für sich entscheiden, ob es den Aufwand für die Anmeldung und den Eintrittspreis wert ist. In diesem Sinne: gierige Buddhisten!

Für diejenigen, die unbedingt den Kokedera besuchen wollen, aber wohl bei der Anmeldung scheitern würden, gibt es z.B. dieses Angebot, welches verspricht, bei der Anmeldung zu helfen, gegen Gebühr: http://www.saihoji-kokedera-reservation.com/about/ – mangels eigener Erfahrungen kann ich dieses Angebot aber weder empfehlen noch davon abraten.

Impressionen Kokedera

kokedera

Eingangstor des Kokedera

Haupthalle, wo die Aktivität stattfindet

Moos, grün und saftig, überall!

Bilder von dieser Szenerie sieht man auf Social Media Seiten oft in pink, um vermutlich viel Staunen und likes abzusahnen. Aber wie man sieht, entspricht pink nicht ganz der wahren Farbgebung…

Das absolut flauschigste Moos, welches ich jemals angefasst habe!

Das flauschigste Moos aller Zeiten. Noch flauschiger als Sugigoke (!)

Der Ausgang

HDR Bilder

Empfohlen mit

Suzumushidera – der Tempel der Glöckchenzikaden

Jizoin – der Bambus-Tempel

Tsukiyomi-Schrein

Infos und Wertung

Wunderschöner Moosgarten, der aber von sperrigen Anmeldehürden ummauert ist.

Besucht am
10. September 2012
Empfohlene Besuchszeit
Frühjahr bis Spätsommer. Wenn man Glück hat, direkt nach einem Regenschauer.
Eintritt
Öffnungszeiten
3000 Yen
Nach Anmeldung
Adresse
Haltestelle
Schreibweisen
kokedera
苔寺
こけでら
Weitere Namen
西芳寺 | saihōji | eigentlicher Name
洪隠山西芳寺 | kōinzan saihōji | formaler Name
Buddhistische Schule
Rinzai Zen
Weitere Infos
Wikipedia (mehrsprachig)

Teilnahme an einer Tempeltätigkeit, an denen man sonst normal nicht teilnehmen kann
Wunderschöner Moosgarten

Mit 3000 Yen sehr teurer Eintritt
Umständliches Anmeldeprozedere per Briefpost, welches eher vom Besuch abhält

Über die Bewertungsskala

Kokedera-Tempel (Kyoto)
4 von 5
Wertung

Beiträge aus der Umgebung

Begeisterter Kyoto-Insider und ambitionierter Amateurfotograf mit Vorliebe für Tempel und Schreine.
Interessen: Kyoto als Erkundungsgebiet, Tee- und traditionelle Kultur in Japan, Erfahrungen in Schriftform pressen
Sportlich: Kendo – das japanische Fechten