matcha schale chawan

Ursprung in China

Man geht davon aus, dass die Teepflanze aus den südlichen Regionen Asiens kommt, von dort aus dann nach China gebracht wurde. Zuerst wurde Tee als Medizin eingesetzt, während der Tang-Dynastie (618-907) wurde Tee dann hauptsächlich wegen seines Geschmacks getrunken. Er wurde so wichtig, dass über ihn das Buch Chajing (茶經 oder 茶经, „Das Buch vom Tee“ oder „Tee-Klassiker“) in drei Volumen geschrieben wurde – das älteste Schriftwerk über Tee, in dem praktisch jeder Aspekt von Teeherstellung und -kultur behandelt wird. Zu dieser Zeit wurde Tee in Ziegelform gepresst. Dieser Ziegeltee wurde gekocht und mit u.a. Ingwer und Salz gemischt. Während der Song-Dynastie (1127-1280) wurde Tee gedämpft, getrocknet und anschließend zu Pulver verarbeitet. Dieses Pulver wurde hauptsächlich für Tempelzeremonien verwendet, aber ebenso auch gerne vom normalen Volk getrunken.

Anfänge in Japan

Während der Heian-Zeit (平安時代, 794-1192) wurde der Brauch des Teetrinkens und dessen Herstellungsverfahren von japanischen Gesandtschaften aus China nach Japan mitgebracht. Es handelte sich um Tee, der dem heutigen Oolong-Tee ähnlich ist, ein halbfermentierter Tee mit bräunlichen Aufguss. In Japan war der Tee aber damals weniger ein Genußmittel als vielmehr Medizin, die nur in der benötigten Menge eingenommen wurde.

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Kûkai (空海)

Kôbô Daishi (弘法大師, 767-822), Patriarch der buddhistischen Shingon-Sekte (真言宗),  zu Lebzeiten auch bekannt unter den Namen Kûkai (空海), brachte vermutlich den ersten Tee in Ziegelform aus China mit. Von einen seiner Schüler verfasst, findet sich im „Shôryôshû“ (性霊集, Sammlung von Kûkais Texten), findet sich der Ausdruck chanoyu (茶の湯, „heißes Wasser für Tee“), im Sinne von Heiltrank.

In der Oberschicht war der Tee auch als Genuß verbreitet. Während Kaiser Saga (嵯峨天皇) den Tempel Bonshakuji (梵釈寺) besuchte, wurde ihm vom Mönch Eichû (永忠) Tee serviert. Saga befohl daraufhin, Teeplantagen anzulegen.

Um 895 brachen die diplomatischen Kontakte zu China ab – die Vorliebe für chinesischen Sachen und damit auch das Interesse am Tee damit ebenfalls. Der Tee verschwand zwar nicht völlig aus Japan, aber bis zum 12. Jahrhundert fand er nur noch als Medizin Verwendung.

Rückkehr des Tees

In der Kamakura-Zeit (鎌倉時代, 1192-1333) führten u.a. Eisai (栄西, 1141-1215) und Dôgen (道元, 1200-53) den Zen-Buddhismus (禅宗) in Japan ein und brachten als Medizin auch Matcha (Pulvertee) aus China mit. Zusammen mit der Verbreitung des Zen-Buddhismus verbreiteten sich auch verstärkt die sprirituellen Elemente des Tees. Da sich der Anbau vom Tee immer mehr verbreitete, wurde auch das Teetrinken immer allgemein beliebter.

Eisai (栄西)

Eisai pflanzte seine mitgebrachten Teesamen 1191 am Berg Seburi (背振山, in Kyûshû) an. Ihm war es zu verdanken, dass Tee auch als gesundheitsfördernd erkannt wurde – es wird erzählt, dass Eisai dem Shogun Minamoto Sanetomo (源実朝) Tee ans Krankenbett (Kater nach einem Trinkgelage) geschickt hat, woraufhin dieser genesen ist. Bei dieser Gelegenheit überreichte Eisai auch gleich ein Exemplar seines Kissa Yôjôki (siehe nächster Absatz). Diese Geschichte aus dem Azumakagami (吾妻鏡) half dabei, das Teetrinken wieder zu verbreiten.
Die gesundheitsfördernde Wirkung von Tee, sowohl psychisch als auch physisch, schrieb Eisai 1211 in der Schrift Kissa Yôjôki (喫茶養生記) nieder.  Beliebt wurde der Tee zunächst unter den Mönchen, da er bei Meditationsübungen die Müdigkeit vertrieb. Eisai überreichte 1207 Priester Myôe (明恵, 1137-1232) Teesamen, später gründete Myôe das berühmte Teeanbaugebiet in Uji (宇治), südlich von Kyoto (京都). Myôe versuchte auch, auf das ausschweifende Leben des Hofadels einzuwirken, „Tee statt Sake“ wurde zu einem wichtigen Element der buddhistischen Lehren.

Während Eisai und Myôe den Teegenuß am Hofe verbreiteten, fand er durch den Mönch Eison (叡尊, 1201-90) Beliebtheit im Volk. Eison reiste durch das Kantô-Gebiet (関東地方) und predigte bei Rastpausen vor Adligen und dem normalen Volk. Im Anschluss an diese Predigten verteilte er Tee. Ebenso schenkte er an Arme, Kranke und Pilger aus.

Dôgen, der Begründer der Soto-Sekte (曹洞宗) und Schüler des Eisai, brachte aus China verschiedene Teeutensilien mit. In seinen Klosterregeln finden sich auch Anweisungen zur Teezubereitung und -genuß, eine erste Form der Teezeremonie. Die Teezeremonie im Zen-Tempel (genannt sarei, 茶礼) wurde dann von Musô Kokushi (夢窓国師, 1275-1351) vollendet.

Prunkvolle Teewettkämpfe

Während der Muromachi-Zeit (室町時代, 1333-1568) sind Teewettkämpfe (闘茶, tôcha) in Mode gekommen. Zum Beispiel ging es darum, das Anbaugebiet oder die Teesorte zu erraten. Teeutensilien aus China wurden sehr begehrt und teure Sammlungen angelegt. An den Höfen der Territorialfürsten (大名, daimyô) wurden mit diesen Sammlungen prunkvolle Teezusammenkünfte veranstaltet, bei denen auch freizügig Alkohol getrunken wurde. Diese ganze Modeerscheinung wurde „Ästhetisierung von chinesischen Importwaren“

[唐物数寄, karamonosuki] genannt). Um den enormen Ausgaben ein Ende zu setzen, verbot der Shogun Ashikaga Takauji (足利尊氏) 1338 sämtliche Wettkämpfe.

Die Wettkämpfe waren für die Entwicklung des heutigen Teewegs aber sehr wichtig. Hatte der Tee bis hier nur zeremonielle Anwendung in Klöstern und am Kaiserhof, verbreitete er sich mit diesen Wettkämpfen in niedrigeren Gesellschaftsschichten und entwickelte auch dort den Rang einer ästhetischen Handlung. Aus dem geselligen Beisammensein gingen unkyaku chakai (雲脚茶会) hervor, „Teegesellschaften mit minderwertigeren Tee“, bei denen man sich ungezwungen traf und sich unterhielt, während man Tee trank.

Elemente aus dieser Zeit, die angepasst bis heute übernommen wurden:

  • Aus dem Festmahl wurden kleine Speißen, welche meist vor dem Teetrinken gereicht wird
  • Aus den üppigen Konsum von Alkohol wurde Alkoholkonsum in kleinen Schalen
  • Prächtige Blumenarrangements und Bilder wurden zu einem simplen Blumenarrangement und einer Schriftrolle in einer Wandnische

Die großen Teemeister

Im 15. Jahrhundert tritt zum ersten Mal ein großer Teemeister auf: Murata Shukô (村田珠光, 1423-1502). Er befasste sich mit der Teeliteratur aus China und verknüpfte diese mit der Zen-Lehre – Es entstand die Einheit der Zen-und Tee-Lehre (茶禅一味, chazen ichimi). Murata lehnte prächtige Ausgestaltungen ab und mahnte zur Bescheidenheit. Ihm war auch die große Verbreitung des Teewegs unter dem Volk zu verdanken. Auf seinen Teezusammenkünften verbot er Spiele und das Trinken von Alkohol. Er vertrat ein neues Leitbild in der Teezeremonie, in der auf die Beziehung zwischen Gastgeber und Gast große Bedeutung zugemessen wurde.
Murata führte die Teezeremonie weiter und zwar dass Tee nicht nur eine Medizin, zur Unterhaltung  oder Tempelzeremonie ist, sondern auch, dass die Zubereitung und das Trinken von Tee ein Ausdruck des Zen ist, dass jede alltägliche Handlung zur Erleuchtung führen kann. Daraus manifestierte sich eine Entwicklung, die eine neue Ästhetik hervorhob. Eine Ästhetik, die das Schöne sucht im unvollkommenen und in den alltäglichen Dingen des Lebens. Damit legte er den Grundstein für die Ästhetik des wabicha (わび茶). Murata lenkte zudem auch die Aufmerksamkeit auf japanische Utensilien.

Das Konzept von  Murata wurde dann von einem zweiten großen Teemeister – Takeno Jôô (1502-1555) weiterentwickelt. Obwohl er sehr wohlhabend war, vereinfachte er die die Materialien und den Raum der Teezeremonie. So tendierte er zum Beispiel zu einfacheren Utensilien und gestaltete Teeräume mit kostengünstigeren Materialien. In seinen Schriften zum Teeweg war die Selbstkontrolle und die mitmenschlichen Beziehungen von großer Bedeutung.

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Sen no Rikyu (千利休)

Der bedeutendste Teemeister war Sen no Rikyû (千利休, 1521-1591), ein Schüler des Jôô. In seiner Zeit  erreichte die Teekunst einen Höhepunkt. Oda Nobunaga war ein großer Teeliebhaber und Sen no Rikyû war einer seiner Teemeister. Es war eine große Ehre, wenn Oda Nobunaga jemanden zur Teezeremonie einlud, die unter Leitung Rikyûs stattfand. Später wurde er für Toyotomi Hideyoshi Teelehrer. Mit anderen Teemeistern zusammen führte er die große Teegesellschaft von Kitano bei Kyoto, zu der jedermann – egal ob hoher oder niedriger Stand – geladen wurde, was zu einer gewissen gesellschaftlichen und politischen Bedeutung führte. Gleichzeitig strebte Rikyû danach soziale Unterschiede zu eliminieren. Ein bekanntes Beispiel dafür ist die Veränderung des Eingangs zum Teezimmer, welcher nun so niedrig gemacht wurde dass jeder gebückt den Teeraum betreten muss. Außerdem versuchte er durch das Finden von Schönheit in einfachen Utensilien die Trennung zwischen schön und hässlich zu überwinden. Rikyû gilt als Vollender der Teekunst und ihrer Gestaltung, er verschmolz die verschiedenen Schulrichtungen zu einer Einheit. Rikyû selbst lebte der Zen-Lehre nach, auf das Verstehen des wabi gerichtet, dem Sich-Selbst-Genugsein.

Teehaus Ihoan, Tempel Kodaiji, Kyoto

Die Sansenke-Teeschulen

Nach seinem Tod spaltete sich seine Schule Sakaisenke in drei Häuser, die zusammen als Sansenke (三千家) bekannt sind:

  • Omotesenke:  bekam den vorderen Teil des Rikyû-Anwesens
  • Urasenke: bekam den hinteren Teil des Rikyû-Anwesens
  • Mushakojisenke: bekam ein Haus in einer anderen Straße

Meiji-Zeit (明治時代) bis heute

Mit dem Ende der Feudalzeit in der Meiji-Zeit verloren die Teehäuser viel von ihren Einkommen. Der 13. Großmeister der Urasenke, Ennosai (1872-1924), schloss sich mit Händlern zusammen, die die Urasenke unterstützten. Der darauf folgende Großmeister, Tantansai (1893-1964), gründete eine nationale Organisation für die Anhänger der Urasenke und begann auch damit, die Tradition des Tees weltweit zu verbreiten. Der 15. Großmeister, Hounsai und Vater des heutigen Großmeisters, verstärkte die Bemühungen, den Chado weltweit zu verbreiten. Ihm ist es zu verdanken, dass die Urasenke in Japan und weltweit die größte Teetradition darstellt. Der heutige Großmeister, Zabosai SEN Soshitsu XVI, übernahm 2002 die Leitung der Urasenke.

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Links: 15. Großmeister, Hounsai
Rechts: 16. Großmeister, Zabosai SEN Soshitsu XVI

Quellen

A chanoyu vocabulary. Practical terms for the way of tea (jap. „jitsuyô chadô yôgo jiten“): Eigoban (2007). Kyôto: Tankosha Publ. Co.

Ehmcke, Franziska (1991): Der japanische Tee-Weg. Bewusstseinsschulung und Gesamtkunstwerk. Erstveröff. Köln: DuMont (DuMont-Taschenbücher).

Hammitzsch, Horst; Brüll, Lydia; Goch, Ulrich (1990): Japan-Handbuch. Land und Leute, Kultur- und Geistesleben. 3. Aufl. Stuttgart: Steiner.

The Urasenke Konnichian Web Site – History of Chado (2008). Online verfügbar unter http://www.urasenke.or.jp/texte/chado/chado2.html, zuletzt aktualisiert am 23.10.2008, zuletzt geprüft am 27.05.2010.