Dôage. Eine Sache, die meiner Meinung nach wieder (?) öfters in unserem Kulturkreis gemacht werden sollte. Dabei handelt es sich um den Brauch, eine Person in die Luft zu werfen. Der Ursprung ist nicht ganz klar, ich persönlich habe es zuerst für einen europäischen Brauch gehalten, der sich zwar nicht hier, dafür aber in Japan umso mehr gehalten hat. Ob das nun so ist oder nicht, kann ich leider nicht sagen. In Japan wurde dôage zumindest schon am Anfang der Edo-Zeit (1603 – 1868) schriftlich notiert und es gibt die Theorie, dôage geht auf einen Brauch des Zenkôji-Tempels in Nagano zurück.

Während man im deutschsprachigen Raum kaum etwas darüber findet (vermutlich auch, weil wir kein griffiges Wort dafür haben, oder?), hat die japanische Wikipedia sogar einen ganzen Artikel über dôage! Diese definiert dôage wie folgt:

Dôage nennt man die Handlung, einer Person zu gratulieren bzw. zu feiern, indem diese Person durch viele andere in die Luft geworfen wird, weil diese Person eine bedeutende Leistung erbracht hat. Der Brauch sah vor, diese Person drei Mal in die Luft zu werfen, heutzutage wird aber keiner genauen Beschränkung mehr gefolgt.

Im Bild unten ist folgender Fall zu sehen:
Nach dem Sommertrainingscamp 2009 (夏合宿 natsugasshuku) des Kendozirkels Kenrenkai (剣練会) und der Rückkehr nach Kyoto versammelten wir uns alle vor dem Unigebäude, vor dem uns der Bus abgesetzt hatte. Nach diversen Reden, die natürlich auch sein müssen, wurden die Hauptverantwortlichen für die Organisation genannt und anschließend in die Luft befördert…


Organisatorin wird nach erfolgreichen Event mehr oder weniger freiwillig in die Luft befördert.

…und dabei kann man wirklich verdammt hoch fliegen (speziell bei der Mischung sportliche Jungs und schlanke Japanerin)! Besonders im Sport kommt dôage noch sehr häufig vor. Bei meinem letzten Training 2009 durfte ich selber mal in die Luft gehen und war wirklich überrascht, wie hoch das gehen kann. Man muss schon viel Vetrauen in die Werfer haben, zwecks Landung…

Begeisterter Kyoto-Insider und ambitionierter Amateurfotograf mit Vorliebe für Tempel und Schreine.
Interessen: Kyoto als Erkundungsgebiet, Tee- und traditionelle Kultur in Japan, Erfahrungen in Schriftform pressen
Sportlich: Kendo – das japanische Fechten